18. Juni 2020, 23:04 Uhr

Frage der Verantwortung

18. Juni 2020, 23:04 Uhr

Rheda-Wiedenbrück/Berlin/Wiesbaden - Berlin, Göttingen und der westfälische Kreis Gütersloh kämpfen derzeit mit größeren Corona-Ausbrüchen. Wohnkomplexe und der Schlachtbetrieb Tönnies sind betroffen. Insgesamt bleibt die Lage in Deutschland ruhig. Die Bundesländer entscheiden über die schrittweise Öffnung des öffentlichen Lebens nunmehr weitgehend in eigener Verantwortung. Hessen lockert unter anderem die Corona-Regeln für Besuche in Alten- und Pflegeeinrichtungen sowie für Veranstaltungen und den Einzelhandel. Regierungschef Volker Bouffier begründete die Maßnahmen mit den derzeitig niedrigen Infektionszahlen. Bewohner von Alten- und Pflegeheimen können künftig dreimal in der Woche besucht werden. Der Schutz der Gesundheit der Bürger bleibe aber oberstes Ziel, bekräftigte Bouffier. Unterdessen sollen alle Schüler in Deutschland nach den Ferien wieder wie gewohnt in die Schule gehen - auf die Abstandsregel soll dabei, wenn möglich, verzichtet werden. Darauf haben sich die Kultusminister der Länder verständigt.

Indes sorgt der Corona-Ausbruch mit 730 Neuinfizierten im größten Schlachtbetrieb des Branchenriesen Tönnies in Rheda-Wiedenbrück in der Stadt für Proteste und Verunsicherung. Zugleich heizte die hohe Zahl der Infizierten die Debatte über die Arbeitsbedingung in der Fleischindustrie erneut an. Eltern und Kinder protestierten gegen die Schließungen von Schulen und Kitas im gesamten Kreis Gütersloh. Tönnies hatte am Mittwoch nach dem Corona-Großausbruch seinen Hauptproduktionsbetrieb in Rheda-Wiedenbrück vorläufig stoppen müssen. Für rund 7000 Menschen wurde eine Quarantäne angeordnet. Zudem hatte der Kreis Gütersloh verfügt, dass alle Schulen und Kitas bis zu den Ferien wieder geschlossen werden. Der Konzern hatte die niedrigen Temperaturen durch Kühlung in der Produktion und Heimreisen der Beschäftigten nach Osteuropa an den zurückliegenden langen Wochenenden als mögliche Gründe für den Infektionsausbruch genannt.

Unterdessen ist Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident und potenzieller Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet wegen eines Satzes zum Corona-Ausbruch im Schlachtbetrieb in die Defensive geraten. Laschet hatte auf die Frage, was der Corona-Ausbruch im Schlachtbetrieb über die bisherigen Lockerungen aussage, geantwortet: »Das sagt darüber überhaupt nichts aus, weil Rumänen und Bulgaren da eingereist sind und da der Virus herkommt.« Am Donnerstag stellte der CDU-Politiker klar: »Menschen gleich welcher Herkunft eine Schuld am Virus zu geben, verbietet sich.« Gleichzeitig verortete er die Verantwortung für das Geschehen bei dem Unternehmen.

Auch im Berliner Bezirk Neukölln stieg die Zahl der Infizierten in Wohnblöcken. Neu hinzu kam ein Ausbruch in einem Hochhaus in Göttingen. Zunächst wurden dort etwa 100 Neuinfektionen nachgewiesen, knapp 700 Bewohner standen unter Quarantäne. dpa » Seiten 4, 5+6

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