18. Juni 2020, 22:53 Uhr

Frage der Verantwortung

18. Juni 2020, 22:53 Uhr
Ein Lichtblick: Schüler der Musikschule Bad Vilbel spielten im Mai für die Bewohner eines Altenzentrums, von denen viele bedingt durch die Corona-Pandemie seit Wochen keinen Besuch bekommen haben. Nun lockert Hessen unter anderem die Corona-Regeln für Alten- und Pflegeeinrichtungen (siehe Seite 6). Die Lage ist jedoch weiter heikel, wie die jüngsten Corona-Ausbrüche in Gütersloh, Berlin und Göttingen zeigen. FOTO: DPA

Rheda-Wiedenbrück/Berlin/Wiesbaden - Berlin, Göttingen und der westfälische Kreis Gütersloh kämpfen derzeit mit größeren Corona-Ausbrüchen. Wohnkomplexe und der Schlachtbetrieb Tönnies sind betroffen. Insgesamt bleibt die Lage in Deutschland ruhig. Die Bundesländer entscheiden über die schrittweise Öffnung des öffentlichen Lebens nunmehr weitgehend in eigener Verantwortung. Hessen lockert unter anderem die Corona-Regeln für Besuche in Alten- und Pflegeeinrichtungen sowie für Veranstaltungen und den Einzelhandel. Regierungschef Volker Bouffier begründete die Maßnahmen mit den derzeitig niedrigen Infektionszahlen. Bewohner von Alten- und Pflegeheimen können künftig dreimal in der Woche besucht werden. Unterdessen sollen alle Schüler in Deutschland nach den Ferien wieder wie gewohnt in die Schule gehen - auf die Abstandsregel soll dabei, wenn möglich, verzichtet werden. Darauf haben sich die Kultusminister der Länder verständigt.

Inzwischen sorgt der Corona-Ausbruch mit 730 Neuinfizierten im größten Schlachtbetrieb des Branchenriesen Tönnies in Rheda-Wiedenbrück (Westfalen) in der Stadt für Proteste und Verunsicherung. Zugleich heizte die hohe Zahl der Infizierten die Debatte über die Arbeitsbedingungen in der Fleischindustrie erneut an. Weitere Tests und die Ursachenforschung liefen gestern auf Hochdruck. Eltern und Kinder protestierten gegen die Schließungen von Schulen und Kitas im gesamten Kreis Gütersloh. Tönnies hatte am Mittwoch nach dem Corona-Großausbruch seinen Hauptproduktionsbetrieb vorläufig stoppen müssen. Für rund 7000 Menschen wurde eine Quarantäne verfügt. Der Konzern hatte die niedrigen Temperaturen durch Kühlung in der Produktion und Heimreisen der Beschäftigten nach Osteuropa an den zurückliegenden langen Wochenenden als mögliche Gründe für den Infektionsausbruch genannt.

Innerhalb von 24 Stunden haben die Gesundheitsämter in Deutschland dem Robert Koch-Institut (RKI) 580 neue Infektionen mit dem Coronavirus gemeldet. Damit haben sich seit Beginn der Corona-Krise 187 764 Menschen in Deutschland nachweislich mit SARS-CoV-2 angesteckt, wie das RKI am Donnerstagmorgen meldete (Datenstand 18. 6., 0.00 Uhr). Auch im Berliner Bezirk Neukölln stieg die Zahl der Infizierten in inzwischen unter Quarantäne stehenden Wohnblöcken. Neu hinzu kam ein Ausbruch in einem Hochhaus in Göttingen. Zunächst wurden dort etwa 100 Neuinfektionen nachgewiesen. dpa

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