08. August 2022, 16:36 Uhr

Mit ein bisschen Grummeln

08. August 2022, 16:36 Uhr
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Aus der Redaktion
Meisterehrung (v.l.) Klassenleiter Achim Frey, Kreisfußballwart Henry Mohr, Norbert Bena, Burghard Mandler (beide FSG Biebertal), Patrick Schäfer (VfR Lich) und Jörg Hildebrand (TSG Wieseck). Foto: Wißner

Trotz eines »Grummelns« im Bauch beim Kreisfußballwart »vor einer ganz normal angesetzten Runde, die aber immer noch im Zeichen von Corona steht«, konnten sich die die Vertreter der Fußballvereine beim »kleinen Kreisfußballtag« auf dem Sportgelände der SG Kinzenbach über frohe Botschaften des Schiedsrichterobmanns und ein Lob vom Vorsitzenden des Kreissportgerichts freuen.

Vorab aber war es Mohr, der den Anstoß der traditionell am ersten Fußball-Wochenende stattfindenden Veranstaltung ausführte: »Fußball ist wichtig, aber nicht mehr das Wichtigste. Das ist das, was wir von vielen Spielern hören, wenn wir sie fragen, wie sie sich die Ligen und die Frequenz der Spiele vorstellen. Das hat nichts mit Corona zu tun, sondern da hat sich generell etwas verändert. Die Spieler wollen nicht mehr 34 Mal in der Saison spielen, es reichen ihnen 25 Spiele. Das mag in den höheren Ligen noch etwas anders aussehen, aber an der Basis ist das die klare Vorgabe«, sagte Mohr zu den Wandlungen des Sports.

»Auch die ehrenamtlichen Helfer wollen diesen Aufwand oft nicht mehr leisten. Der Fußball muss sich den Wünschen der Menschen anpassen und nicht die Menschen dem Fußball. Schaffen wir diese Kehrtwende nicht, verliert unser geliebter Fußballsport extrem. Daher müssen wir dringend die Ligen verkleinern und in vielen Bereichen umsteuern«, räumte Kreisfußballwart Henry Mohr ein und überlegte, wie angesichts der Pandemie die anstehende Saison zu stemmen sein könnte.

Zumindest gebe es eine klare Regelung des Hessischen Fußball-Verbandes (HFV), dass, wenn nachweislich fünf Spieler an Corona erkrankt sind, ein Spiel abgesagt werden kann. »Das haben wir im vergangenen Jahr hier schon so gehandhabt«.

Lollar zieht aus Hessenliga zurück

Seine Zweifel äußerte Mohr, ob die begeisternde Frauenfußball-EM »bei uns ankommt. Wir hatten diese Euphorie schon einmal bei der Heim-WM 2011«. Aktuell gibt es zehn bis zwölf Vereine, in denen Frauenfußball angeboten wird. Dabei ziehe sich aber beispielsweise Eintracht Lollar aus der Hessenliga zurück. »Das wird uns wehtun«. An alle Vereine, »die etwas größer sind« appellierte Mohr zu überdenken, ob ein Frauenteam nicht eine Bereicherung für sie wäre.

Dunkle Wolken zeichnen sich auch in Sachen Pokal ab, denn ob es noch einmal einen so glänzend organisierten SWG-Kreispokal-Finaltag geben wird wie kürzlich beim TSV Lang-Göns, das sei fraglich, weil der HFV die Partnerschaft mit den Stadtwerken Gießen nicht mehr akzeptiere. »Aber wir werden mit der Unterstützung der Vereine alles Mögliche versuchen, diese seit 20 Jahren laufende und für den Fußball im Kreis überragende Kooperation fortzuführen«, gab sich Mohr kämpferisch. Zudem ging der KfW auf Neuerungen wie Trainerpass und Funktionsausweis ein, Kärtchen für die Betreuer wird es keine mehr geben. Was vom HFV beschlossen wurde, sei leider noch nicht an die Vereine gegangen, kündigte Mohr erforderliche Schulungen für den Trainerpass an.

Teurer geworden sind mit der neuen Saison die Schiedsrichter, »und auch die Energiepreise steigen«, ergänzte der Kreisfußballwart und appellierte an die ebenfalls in Kinzenbach anwesenden Politiker wie Heuchelheims Bürgermeister Lars Burkhard Steinz (CDU) und Landtagsabgeordnete Kathrin Schleenbecker (Grüne), »die Heizung nicht gleich abzustellen. Vielleicht kann man sie drosseln. Aber hier ist die Politik gefordert«. Vom Vorstand der gastgebenden SG hatte Claus Bornemann bereits in seiner Begrüßung darauf hingewiesen, dass die Vereine schwere Zeiten hatten und auch entgegengehen. »Lasst uns nicht im Stich. Fußballverein ist Lebensqualität im Ort«, richtete er seinen Appell an die Politik.

Kreis-Schiedsrichter-Obmann Andreas Reuter (Annerod) ging auf die neuen Spesensätze der Schiedsrichter in den Kreisligen und den damit einhergehenden Wegfall des Wochentagszuschlag auf Kreisebene ein. »Bestrafungen, Geldstrafen oder Punktabzüge wird es nicht geben, egal wie die Leistungen der Schiris in der letzten Saison waren. Die bisherige Schiedsrichterregelung gibt es nicht mehr. Musste bisher ein Schiedsrichter mindestens zwölf Spiele geleitet haben, damit seine Spiele zählten, so entfällt diese Regelung und es wird ab dem ersten Spiel gezählt. Maximal 50 Spiele können jedoch von einem Schiedsrichter berücksichtigt werden. Seit dem 1. Juli gibt es zudem keine (Papier-)Spielerpässe mehr, sondern ausschließlich einen digitalen Spielerpass. Wer es versäumt habe, ein Bild hochzuladen, müsse dies nachholen ansonsten muss vor dem Spiel gegenüber dem Unparteiischen eine Legitimation durch Führerschein, Reisepass oder Personalausweis erfolgen.

»Wenn diese bis Spielende nicht vorliegen, kann im Nachgang das Spiel für den Gegner entschieden werden«, machte Reuter auf die Auswirklungen für die Vereine aufmerksam und empfahl eine Spielberechtigungsliste zu jedem Spiel mitzunehmen - »falls das Internet vor Ort nicht funktioniert.

Braver Fußballkreis

Neu geregelt wurde auch der Einsatz von Akteuren mit Zweitspielrecht. Wenn die 1. Mannschaft Gruppenliga oder höher spielt, dürfen keine Zweitspielrechte mehr erteilt werden. A-Jugendliche des jüngeren A-Jugendjahrgangs 2005 dürfen in dieser Saison, auch wenn sie im Januar nächsten Jahres 18 werden, nicht in anderen Mannschaften eingesetzt werden. Beim älteren A-Jugendjahrgang sei dies kein Problem, wenn die Spieler 18 Jahre alt sind. Wenn diese 17 Jahre sind, dann nur mit Antrag bei HFV, ärztlicher Bescheinigung und Einverständniserklärung der Eltern.

»Wir sind ein ganz braver Kreis. Es wurden 2021/22 insgesamt 49 Einzelrichterurteile von der C- bis zur A-Klasse gefällt. Im Jugendbereich waren es 17 Urteile und drei Verwaltungsstrafen, die durch die Klassenleiter ausgesprochen wurden«, wusste Rechtswart Harry Keil zu berichten. Das Kreissportgericht hatte acht Entscheidungen, davon vier mündliche Verhandlungen und vier Verfahren im schriftlichen Verfahren abgehandelt. Es gab keine Tätlichkeiten gegenüber Schiedsrichtern, das stimmt mich positiv. Zudem teilte Keil mit, dass sich Wolfgang Maurer (Buseck) und Ernst-Rudolf Schmidt (Röthges), die beide über 20 Jahre im Sportgericht tätig waren, zurückgezogen haben und dafür Mario Graulich und Andre Möstl (beide SV Harbach) nachgerückt sind. Und dann ging es »trotz Grummeln ans Auftaktwochenende.



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