09. November 2022, 17:21 Uhr

»Im Fall von Baptist war es ein Volltreffer«

09. November 2022, 17:21 Uhr
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Aus der Redaktion
Tim Pfeiffer - auf Social Media wird er fündig, wenn es um Verstärkungen fürs Turnteam geht. Foto: Wißner

Das Turnteam Linden bestreitet am kommenden Samstag seinen letzten Wettkampf der Saison beim letztjährigen Meister KTV Koblenz. Um 18 Uhr starten die Hessen in der 2. Turn Bundesliga Nord im Turnforum Koblenz-Asterstein. Aktuell stehen drei Siegen drei Niederlagen gegenüber - eine ausgeglichene Saisonbilanz und der vorzeitige Klassenerhalt wurden damit erreicht. Bei einem Blick zurück auf die sechs Wettkämpfe erstaunt es die Zuschauer dabei immer mehr, wie es dem Turnteam Linden stets gelingt, adäquate Sportler »aus dem Hut zu zaubern«. Vor allem der 20-jährige Engländer Raekwon Baptist, der gegen KTT Oberhausen vor eigenem Publikum einen fulminanten Bundesligaeinstand feierte, hinterließ zahlreiche staunende Gesichter. Aber auch der Italiener Ares Federici oder der Mallorquiner Joshua Jack Williams Meehan, die beide bereits im zweiten Jahr für das Turnteam starten, wurden auf die gleiche Weise wie Baptist verpflichtet. Dabei ist klar: Eine Scoutingabteilung, wie etwa in der Fußball-Bundesliga, gibt es nicht, dennoch wird auch hier genau hingeschaut.

Lindens Teamkapitän Tim Pfeiffer ist es, der für die Sichtung und Verpflichtung zuständig ist. Doch wie funktioniert das? Im Interview gibt Pfeiffer einen Einblick in seine Arbeit, die eben nicht in fremden Turnhallen stattfindet, sondern in den sozialen Medien. Dass die Akteure des Turnteams mit ihrem Trainer Christian Hambüchen bestens vernetzt sind, ist bekannt. Denn auf diesem Weg erfolgt ein Teil der Saisonvorbereitung, da die Akteure zum Teil über Deutschland verstreut sind - wobei der Kern des Turnteams nach wie vor aus den eigenen Reihen rekrutiert und beim TV Großen-Linden trainiert wird.

Wie muss man sich das vorstellen, wenn etwa ein 20-jähriger Brite nach Linden geholt wird?

In der Regel ist es so, dass schon vor der Saison klar ist, dass man mindestens zwei, besser drei internationale Positionen braucht, weil am Ende des Jahres immer eine Weltmeisterschaft stattfindet. Und wenn du Turner hast, die im erweiterten Nationalkader sind, kannst du mit diesen dann nicht planen. Es ist nicht nur die Zeit der WM, sondern auch die der Qualifikationswettkämpfe, an denen die Turner nicht zur Verfügung stehen.

Und wie gewinnt man einen Mann wie Raekwon Baptist für einen Wettkampf in Linden?

Wir haben immer eine Liste von interessanten Turnern, die ins Team passen würden. Und dann muss man schauen, wie so etwas zu realisieren ist. Beim Wettkampf gegen KTT Oberhausen stand bereits lange vorher fest, dass aufgrund der WM weder Ares Federici noch Joshua Jack Williams Meehan zur Verfügung stehen würden. So hat man genügend Zeit, sich Videos von potenziellen Kandidaten anzuschauen, um zu sehen, ob es auch von den Daten her passen könnte. Ursprünglich war bei diesem Wettkampf der Einsatz unseres Belgiers Victor Martinez vorgesehen, doch er hatte sich bereits zwei Wochen vorher verletzt und stand deshalb nicht zur Verfügung.

Was ist zu beachten, wenn man einen Ersatzmannholt?

Die Deutsche Turn-Liga (DTL) räumt den Mannschaften eine Nachmeldefrist zehn Tage vor dem Wettkampf ein. Im Fall von Martinez hatte ich zwei Tage Zeit, um zu schauen, wer uns an diesem Tag am besten helfen kann. Die Kontaktaufnahme mit Baptist erfolgte über Social Media. Dabei geht es darum, dem Sportler auch das System zu erklären, das ihn in der Turn-Bundesliga erwartet. Internationale Turner kennen die Liga auch oft von befreundeten Turnern. Bereits bei der Kontaktaufnahme merkt man schon, ob die Chemie stimmt oder nicht. Im Fall von Baptist war es ein Volltreffer.

Muss nur die Chemie stimmen, oder gibt es noch andere Vorgaben?

Klar werden auch Dokumente benötigt, die dann der Deutschen Turn Liga (DTL) eingereicht werden müssen. Auch das hat bei Baptist super schnell geklappt

Salopp gesagt: Der kommt einfach mal nach Linden in die Stadthalle und turnt?

Nein, nicht ganz. Natürlich wird auch mit dem Vorsitzenden unseres Fördervereins, Martin Weber, gesprochen und die An- und Abreise abgestimmt. Bei Baptist haben wir es dann mit der Deutschen Turn-Liga auf den Punkt hinbekommen

Noch mal die Frage: Wie findet oder entdeckt man so einen Turner?

Eine Online-Plattform ist bei uns Turnern der Weg, über den man zueinander findet. Ich verfolge hier zahlreiche Turner, auch um zu sehen, was international angesagt ist. Bei vielen finden sich dann auch auf ihren Kanälen Trainings- und Übungsvideos und eben auch viele Stories. In diesen Posts sieht man auch, was ein Turner kann und wenn jemand auffällig ist, heraussticht, oder man von seinen Turn-Elementen überzeugt ist. Dann wird der Kontakt gesucht, ob derjenige Lust hat, im Bundesliga-System zu turnen und eben, ob es auch von den Daten her für beide Seiten passt.



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