08. Mai 2020, 20:40 Uhr

Nur nicht anfassen

Das kam dann doch überraschend: Nicht nur die Freiluftsportarten dürfen, wie erwartet, ihren Trainingsbetrieb wieder aufnehmen. Auch unter dem Hallendach hat das Land Hessen ab Samstag Sport unter strengen hygienischen Auflagen wieder erlaubt. Die Sache hat aber einen Haken.
08. Mai 2020, 20:40 Uhr
Die Sporthallen in der Wetterau dürfen ab Samstag wieder geöffnet werden. Es gelten aber strenge hygienische Vorschriften, an Wettkämpfe ist noch lange nicht zu denken. ARCHIVFOTO: NICI MERZ

Dass die Freiluftsportarten ab Samstag wieder ausgeübt werden dürfen, natürlich nur unter Einhaltung der mittlerweile gut bekannten Hygiene-Regeln, ist keine Überraschung. Damit war zu rechnen, zumal in anderen Bundesländern die Lockerungen schon zu Wochenbeginn durchgesetzt worden waren.

Womit kaum einer gerechnet hat: Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier ließ auf der Pressekonferenz am Donnerstagnachmittag auch die Sportarten unter dem Hallendach von der Leine. Fitnessstudios dürfen ab dem 15. Mai wieder öffnen, Schwimmbäder bleiben vorerst geschlossen.

In der Mitteilung des Landes hieß es: »Ab dem 9. Mai 2020 kann Sport wieder ausgeübt werden, sofern er kontaktfrei ausgeübt wird, ein Mindestabstand von 1,5 Metern zwischen Personen eingehalten wird, Hygiene und Desinfektionsmaßnahmen beachtet und keine Dusch- und Waschräume genutzt werden.« Auch Indoorspielplätze, Kletter- und Turnhallen, Kegelbahnen einschließlich Bowling und Squashcourts dürften nun wieder genutzt werden, wenngleich der Mindestabstand beim Squash schwer einzuhalten sein dürfte. Das letzte Wort, ob Sporthallen geöffnet werden, haben die Betreiber der Hallen, in den meisten Fällen also Kreis und Kommunen.

»Die Vorfreude ist rießengroß, die Entscheidung kam aber auch für uns überraschend«, sagte Ulrich Kaffenberger, Abteilungsleiter Handball bei der TG Friedberg.

Ganz so schnell und ganz so einfach wird der Sportbetrieb in der Masse aber nicht aufgenommen werden. Schließlich muss dem Betreiber der Sporthalle erst ein Hygienekonzept vorgelegt werden, das von diesem genehmigt werden muss. »Das wird sicher noch mindestens eine Woche dauern«, sagte Ulrich Riemer (SU Nieder-Florstadt), Vizepräsident des Hessischen Turn-Verbands und Vorsitzender des Turngaus Wetterau-Vogelsberg. »Vor den verantwortlichen Stellen und den Vereinen liegt viel Arbeit«, sagte Riemer. Gerade bei Kleinkindergruppen oder der Gerätenutzung sei es schwierig, ein schlüssiges Konzept zu entwickeln. Auch bei der TG wolle man sich in der kommenden Woche zusammensetzen, wie das Acht-Stufen-Konzepts des Deutschen Handball-Bundes umgesetzt werden könne, sagte Kaffenberger.

Die Stimmungslage ist allerdings geteilt: »Wir hoffen, dass es funktioniert und kein Rückschlag kommt«, sagte Kaffenberger. Auch Riemer meinte am Donnerstagabend: »Ich freue mich natürlich, aber habe auch einige Bedenken vor einem eventuellen Rückschlag.«

Noch am gestrigen Vormittag forderte er in einer Mitteilung des Hessischen Turnverbands: »Wenn Öffnungen von Restaurants und Fitnesscenter möglich werden, muss auch der Vereinssport Berücksichtigung finden.« Dass er so schnell erhört wurde, hat nicht nur ihn überrascht.

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