29. September 2020, 07:00 Uhr

Fußball-Hessenliga

Nach dem Derby: So ist die Lage bei den beiden Wetterauer Hessenligisten

Die Situation der beiden Wetterauer Hessenligisten Türk Gücü Friedberg und FV Bad Vilbel könnte unterschiedlicher kaum sein. Das Derby am Sonntag ließ allerdings zwiespältige Schlüsse zu.
29. September 2020, 07:00 Uhr
In höchster Not klären Torhüter Robin Orband und Teamkollege Niklas Biehrer (FV Bad Vilbel) am Sonntagnachmittag im Hessenliga-Derby bei Türk Gücü Friedberg um Torjäger Noah Michael, der beim 2:0-Erfolg der Kreisstädter bereits seinen neunten Saisontreffer erzielt. (Foto: Jaux)

Spielen - regenerieren - vorbereiten - spielen. Angesichts eines aufgrund der Coronavirus-Pandemie verspäteten Saisonstarts und der nach dem Abbruch der Runde vermehrten Aufstiegs kommen die Wetterauer Amateurfußballer in diesen Tagen kaum zur Ruhe. Das war auch den beiden Hessenligisten Türk Gücü Friedberg und FV Bad Vilbel beim Derby am Sonntagnachmittag (Endergebnis: 2:0) sichtlich anzumerken.

»Die Situation ist für alle neu, und natürlich ist die Saison für die Spieler besonders intensiv. Aber ich habe den Eindruck, dass sie sich daran gewöhnen, auch wenn man natürlich aufpassen muss«, sagte etwa Türk-Gücü-Coach Carsten Weber, der nicht ohne Grund nach gut 80 Minuten Torjäger Noah Michel - bislang mit neun der insgesamt 15 Türk-Gücü-Treffer bester Torschütze im Team und der Liga - auswechselte.

Viel Zeit zum Pausieren hat die Weber-Elf aber auch nach dem fünften Sieg im fünften Spiel und dem Sprung an die Tabellenspitze nicht: Bereits am Mittwochabend (19.30 Uhr) geht es bei Verbandsligist SG Rot-Weiß Frankfurt mit der ersten Runde des Hessenpokals weiter. Es folgt am Sonntag (15 Uhr) das Gastspiel bei Rot-Weiß Walldorf - laut Weber eine »richtige Hausnummer« -, in der Woche danach steht erneut eine englische Hessenliga-Woche auf dem Programm.

Umso erfreulicher sind aktuell die Ergebnisse in der Kreisstadt, von denen Weber selbst »überrascht« ist. Der Oberurseler sagt aber auch: »Was den Erfolg trübt, ist die schwere Verletzung von Timo Cecen am ersten Spieltag. In unserem Spiel war in der Vorbereitung schon vieles auf ihn ausgerichtet, gleichwohl das Patrick Schorr auf seiner Position überragend kompensiert. Timo ist inzwischen operiert, alles ist optimal verlaufen, dennoch wird das in dieser Saison nichts mehr.« Umso wichtiger sei der »gute Spirit« in der Mannschaft, der es - gepaart mit einer guten Portion Selbstbewusstsein - auch mal zulasse, enge Spiele wie zuletzt gegen den 1. FC Erlensee (3:1) und eben gegen Bad Vilbel über die Bühne zu bringen.

Angesichts des sportlichen Erfolgs mehren sich in der Region die Fragen nach dem Wohin. Gar das Wort Regionalliga wehte am Sonntagnachmittag über den Ober-Rosbacher Eisenkrain, zumal sich auch die Bürgermeister der Städte Friedberg, Dirk Antkowiak, und Rosbach, Steffen Maar, hatten blicken lassen. Im Verein sei das laut Weber aber »überhaupt kein Thema«, denn: »Von der Infrastruktur her sind wir aktuell nicht ansatzweise weit genug, um das leisten zu können.« Aber der Erfolg helfe »extrem« in puncto Außendarstellung - einem Thema, an dem der Klub verstärkt arbeitet. »Den Jungs im Hintergrund sage ich: ›Nehmt das mit, saugt alles auf und setzt es um.‹ Der Erfolg macht vieles einfacher, auch weil viele Leute mehr machen wollen. Ich bin niemand, der in dieser Hinsicht die Euphorie bremst. Ich bin für das Sportliche zuständig, und da können wir das gut einschätzen«, sagt er.

Mustafic bleibt optimistisch

Gut einzuschätzen weiß auch Amir Mustafic seine im Sommer völlig runderneuerte Mannschaft des FV Bad Vilbel. Natürlich sei er mit fünf Punkten aus den ersten sechs Spielen »nicht so ganz zufrieden«, denn das sei angesichts der Spielverläufe zu wenig. »Im Großen und Ganzen bin ich mit der Mannschaft aber zufrieden, wenn ich sehe, wie sie mitmacht, wie sie mitzieht und wie engagiert sie ist. Sie macht momentan noch zu viele einfache Fehler, die ihr das Genick brechen. Da müssen wir weiter dran arbeiten.« In dieser Woche ist Zeit dafür, ehe es am Sonntag (17 Uhr) gegen den FSV Fernwald geht.

Symptomatisch für die Bad Vilbeler Baustellen waren die beiden Gegentreffer am Sonntag gewesen: Beim 0:1 ging der Ball in der Vorwärtsbewegung verloren, Michel traf nach schnellem Umschalten, und auch beim 0:2 kurz darauf war das Abwehrverhalten bei einem Schorr-Freistoß mit anschließendem Kopfball von Yilmaz Kilic zu passiv gewesen. »Das war schülerhaft - in der Hessenliga wird das sofort bestraft«, analysierte Mustafic.

Eine weitere Baustelle ist angesichts von nur fünf Treffern - nur zwei Hessenliga-Teams haben weniger Tore erzielt - das Offensivspiel. »Da haben wir, auch aus finanziellen Gründen, einfach nicht die Qualität eines Noah Michel«, sagt Mustafic, »aber auch wir hatten unsere Torchancen. Und daher ist es mein Gefühl, dass wir unsere Punkte noch holen werden - auch gegen Türk Gücü wäre das möglich gewesen. Angesichts dessen, dass Friedberg Tabellenführer ist und wir gleichwertig waren, sollte uns das positiv stimmen.«

Insgesamt befinde sich das Team laut Mustafic angesichts der vielen jungen Neuzugänge aus unteren Spielklassen im Sommer schlicht noch in der Findungsphase. »Das ist unser Weg, weil wir einen anderen einfach nicht gehen können. Abgesehen davon arbeite ich gerne mit jungen Leuten zusammen, die lernen wollen. Diesen Spielern muss man etwas Zeit geben«, sagt Mustafic. Er will die bisherigen Ergebnisse daher nicht überbewerten: »Sechs Spiele sind ein kleines Indiz - mehr aber auch nicht.«

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