07. September 2021, 20:17 Uhr

HRV / Rund um das Stadttheater

Diana Steffenhagen lebt für den Radsport

Sie fährt für das Gießener Team RSG Biehler in der Rad-Bundesliga und engagiert sich ehrenamtlich im Präsidium des Hessischen Radfahrerverbandes als Vizepräsidentin Leistungsport.
07. September 2021, 20:17 Uhr
Die Duelle Kiel gegen Flensburg werden wieder zu den Saisonhöhepunkten zählen. FOTO: IMAGO

Im letzten Jahr hat sie 21 000 Kilometer abgespult, »in der Regel sind es aber ›nur‹ 17 000«, die Diana Steffenhagen über 365 Tage hinweg unter die Räder nimmt. Selbst der ambitionierte Hobbyfahrer kommt da aus dem Staunen kaum heraus, zumal die Bundesliga-Fahrerin des Gießener Teams Biehler als Schulsozialarbeiterin ihr berufliches Auskommen hat und zudem noch in den Endzügen ihres Psychologiestudiums liegt. Die Heilerziehungspflegerin hat als 35-Jährige noch lange nicht genug, »gern möchte ich weiterhin die Männer noch etwas ägern«, fügt sie augenzwingernd an. Und trotz ihrer Funktion als Vizepräsidentin Leistungssport im Hessischen Radfahrerverband engagiert sie sich noch zusätzlich, soweit es ihre Zeit zulässt, als Trainerin für den hessischen U15- und U17-Nachwuchs. Ihren Start bei »Rund um das Stadttheater« musste sie allerdings wegen einer vor eineinhalb Wochen bei einem Sturz erlittenen Rippenprellung absagen, »schnelle Antritte oder in den Wiegetritt gehen« wären unter diesen Voraussetzungen eine äußerst schmerzhafte Angelegenheit gewesen.

Die 35-Jährige macht keine Unterschiede zwischen Mountainbike, Crosser oder Rennrad, sie fühlt sich in jedem Terrain heimisch, über den Winter hinweg ist sie meist bei Cyclocross-Rennen in Belgien, Frankreich oder Holland am Start. Unter der Woche wird der Körper auf der Rolle in Form gebracht, oder wie in diesen Tagen auch auf der Bahn in Darmstadt, wobei Arvid Koop von der RV Gießen-Kleinlinden als Hessenkaderfahrer schon in den Genuss von Trainingseinheiten mit Steffenhagen gekommen ist.

Während Landestrainer Maximilian Meyer das Training steuert, bringt Steffenhagen das psychologisch-pädagogische Element ein. »Ich möchte mit dem Nachwuchs intensiv auf der Beziehungsebene arbeiten«, führt sie aus, die ihren Schützlingen klarzumachen versucht: »Auch wenn ihr in verschiedenen Vereinen seid, wenn ihr für den Landeskader fahrt, müsst ihr zusammenarbeiten«. Die Zeiten, in denen jeder auf eigene Rechnung gefahren ist, sind längst passé. »Es ist wichtig, den, der gute Beine hat, zu unterstützen. Und der, der nicht so gute Beine hat, der hilft.«

Auch der Trainingscharakter ist inzwischen ein anderer geworden. Quasi im Ausscheidungsmodus mit hohem Tempo durch die Gegend hetzen, das hat mit moderner Trainingslehre nichts zu tun. »Wir wollen im Training sehen, wo der Nachwuchs gut ist und wann er gut ist«, will heißen, »wir schauen uns bestimmte Abschnitte an. Dabei streuen wir auch mal drei, vier Ortsschildssprints ein, lassen sie auch mal am Berg so schnell wie möglich hochfahren, aber dazwischen wird Ruhe gehalten, um zu reden, zu kommunizieren.«

»Die sind schon echt gut, da komme ich im Training auch an meine Grenzen«, weiß Steffenhagen den hessischen Nachwuchs auf einem gute Wege, wenngleich die Jugendfelder klein sind und es mit den Mädchen nicht so richtig vorwärts geht. Freilich räumt die 35-Jährige ein: »Da habe ich noch keine richtige Idee«.

Den Nachwuchs an den Radsport binden bei der übermächtigen Konkurrenz durch die Ballsportarten, das ist eine zentrale Herausforderung für Vereine und Landesverbände. Apropos Vereine: Auch wenn in letzter Zeit der ein oder andere Verein das Handtuch geworfen hat, so bleibt Steffenhagen für die nähere Zukunft zuversichtlich, da »zuletzt auch neue Vereine aus dem Boden gestampft worden« sind. Ein großes Problem vieler Vereine sei die gewachsene Altersstruktur, auch wollten immer weniger Personen ehrenamtlich tätig sein. Dabei hat Steffenhagen eine klare Einstellung: »Ehrenamt ist so viel, wie du selber leisten kannst und nicht leisten musst.« Es müsse nur ein jeder ein bisschen was in die Waagschale werfen. Und solche Sprüche wie »das ist doch voll anstrengend, Vizepräsidentin zu sein« kontert Steffenhagen: »Nein, du musst dir einfach nur sagen, das mache ich.« Aus. Basta.

Auch für die RSG Gießen Biehler ist sie eine Macherin, wenn auch nun vermehrt im »zweiten Glied«. Sie kümmere sich für eine »ausgewogene Stimmung«, um Sponsoringmappen und die allgemeine Organisation, das Feld auf der Bundesliga-Ebene überlässt sie mehr und mehr den »Alpha-Tieren«. Sie habe ihre Erfolge gehabt, schaut sie doch auf erfolgreiche Jahre in der Triathlon-Bundesliga zurück, war auch über die Langdistanz im Einsatz und hat im Cyclocross schon Einsätz im Worldcup absolviert.

Fahrradfahren und Klimaschutz, hier möchte Steffenhagen den Hebel ansetzen. »Wir sollten damit anfangen - dort, wo es möglich ist, die Kinder nicht mehr mit dem Auto in den Kindergarten oder in die Schule zu fahren«, plädiert die Bundesliga-Fahrerin dafür, dass die Kinder schon früh mit Laufrädern eine eigene Mobilität entwickeln und dann über Inliner, Roller und Fahrräder ausbauen. »Wir sollten Mobilität als Schulfach anbieten«, ist eine zentrale Idee, wenn nicht Forderung der Vizepräsidentin. Denn später im Radfahrverein, da werde »Aufregung, Spannung und Dynamik« geboten, und das in Verbindung mit körperlicher Aktivität. Es sei völlig egal, ob Cross, MTB oder Straße, »Hauptsache, sie haben Spaß dabei«.

Wer beim Radsport hängen bleibt, der könne sich auch noch im hohen Alter entwickeln, verbessern und auch Siege in Altersklassen einfahren - das ist etwas, dass der 35-Jährigen immer wieder imponiert. Aber auch das Fahrrad-fahren als Mittel zum Zweck oder zur Freizeitgestaltung, für Steffenhagen ist entscheidend, dass überhaupt etwas gemacht wird.

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