21. März 2020, 07:00 Uhr

Basketball

Petrasek und Gray zurück zu ihren Familien

Nicht nur die Basketballer der Gießen 46ers haben mittlerweile die Verträge mit US-amerikanischen Spielern aufgelöst, die nach Hause zu ihren Familien wollen. Ligaweit herrscht Aufbruchstimmung.
21. März 2020, 07:00 Uhr
Luke Petrasek möchte in dieser schweren Zeit bei seiner Familie in den USA sein. HF

Gießen 46ers


Luke Petrasek und Kendall Gray von den Gießen 46ers sind am Freitag in die Vereinigten Staaten zurückgeflogen. Sowohl der Powerforward wie auch der Center baten den mittelhessischen Basketball-Bundesligisten um die vorzeitige Auflösung ihrer bestehenden Verträge. Diesen Wünschen kam der Klub vorbehaltlos nach, da die 46ers-Akteure verständlicherweise diese schweren Zeiten bei ihren Familien verbringen wollen.

Mit dieser Thematik müssen sich in diesen Tagen nicht nur die Gießener beschäftigen. Am Donnerstag hatte medi Bayreuth mitgeteilt, dass mit gleich vier Spielern aus den USA die Verträge aufgelöst wurden. »Wir arbeiten weiter mit Hochdruck daran, den Basketball-Standort Bayreuth überlebensfähig zu halten«, sagte Geschäftsführer Björn Albrecht zu den Maßnahmen, die den Kader auf einen Schlag um ein Drittel reduzierten.

Die Franken müssen dem Quartett damit keine Gehälter mehr bezahlen, was angesichts fehlender Einnahmen aus Ticketing und Sponsoring alternativlos ist. Doch auch eine menschliche Komponente spielt eine gewichtige Rolle. »Es ist absolut verständlich, dass jeder Spieler in dieser für uns alle immer noch surrealen Situation nicht tausende Kilometer von seiner Familie entfernt sein möchte«, sagte Bayreuths Trainer Raoul Korner.

Martin Geissler, Geschäftsführer beim Syntainics MBC aus Weißenfels, setzt in der Krise auch auf eine Verständigung mit den Spielern. »Sollten wir da keine Übereinkunft mit Spielern finden, dass sie ihrem Klub helfen wollen, wird es realistisch sehr, sehr schwer die Saison zu überstehen«, sagte Geissler der Deutschen Presse-Agentur.

Auch in Göttingen und Braunschweig haben sich die ersten Amerikaner mit aufgelösten Verträgen auf den Weg in die Heimat gemacht. Alba Berlin hat seinen ausländischen Profis freigestellt, während der Krise in ihre Heimat zu reisen. Kapitän Niels Giffey mag über eine Fortsetzung der Saison derzeit nicht nachdenken. »Im Augenblick gibt es wichtigere Dinge.«

Gerade das macht es für alle Beteiligten so schwer. Bei Bayern München haben sie den Audi Dome offen gelassen, jeweils zwei Spieler dürfen zur gleichen Zeit auf das Parkett, um in verschiedenen Hälften auf den Korb zu werfen. Vor allem die Profis aus den USA stecken in einem Dilemma. Mit der Auflösung ihrer Verträge erlischt auch die Krankenversicherung in Deutschland. Und in den USA sind nicht alle krankenversichert. In Corona-Zeiten ein Horrorszenario.

Gleichwohl ist die Trennung von der Familie für viele sehr belastend. »Ich realisiere wie wichtig es ist, dass man sich nicht nur physisch, sondern auch mental wohl fühlt«, schrieb Albas Aufbauspieler Peyton Siva aus den USA. Ob er und alle anderen Profis in dieser Saison noch einmal das Alba-Trikot tragen werden, ist fraglich.

BBL-Geschäftsführer Stefan Holz ist derzeit praktisch mit nahezu stündlich wechselnden Fragezeichen konfrontiert. Der Liga-Betrieb ist aktuell bis auf weiteres ausgesetzt, in der kommenden Woche wollen Liga und Klubs erneut beraten, wie die Spielzeit doch noch zu retten sein könnte. »Wir haben verschiedene Szenarien für den Spielplan, wann wir wieder einsteigen könnten«, sagte Holz. »Aber wir müssen die Klubs auch über den Sommer bringen.« Die Not bei einigen Vereinen ist aktuell so groß, dass vielleicht schon schneller eine Entscheidung her muss - die dann Saisonabbruch heißen könnte.

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