08. Juli 2020, 07:00 Uhr

Handball

Landesligisten haben den 12. September im Visier

Der Trainingsalltag in der Handball-Landesliga ist Mitte Juni wieder angelaufen. Unter welchen Bedingungen die neue Saison im September startet, ist unklar.
08. Juli 2020, 07:00 Uhr
Johannes Kreß und Aufsteiger HSG Hungen/Lich fiebern der neuen Landesliga-Saison bereits entgegen. FOTO: FRIEDRICH

Corona hält die Welt im Atem. Während weite Teile der Bevölkerung in Deutschland das Virus kaum mehr wahrnehmen, beeinträchtigt es andere desto stärker. Dazu zählt auch der Amateurbereich im Handball.

Blickt man in die Handball-Landesliga Mitte, so wird klar, wie sich die Realität darstellt. »Nach dem letzten Spieltag im März haben wir den Trainingsbetrieb erstmal komplett einstellen müssen«, erinnert sich Eike Schuchmann, der Trainer der HSG Lumdatal. In der eingefrorenen Tabelle wurde die HSG mit zwölf Siegen, einem Unentschieden und sechs Niederlagen Vizemeister. Das Team spielte bis Anfang März eine starke Runde.

Nach dem Lockdown wartete man die ersten Lockerungen ab. »Vor kurzem hat der Verein ein angemessenes Hygienekonzept entwickelt«, freut sich Schuchmann, dass das Training Mitte Juni wiederaufgenommen werden konnte. Gespielt wird in zwei Gruppen aus sieben oder acht Spielern. Sämtliche Regeln gilt es einzuhalten: »Das ist nicht optimal, aber immerhin besser als gar nicht zu trainieren«, erklärt Schuchmann auch mit Blick auf die sozialen Kontakte, die nun wieder möglich seien.

Die Personalplanung ist bereits abgeschlossen. Fürs Tor konnte der aus Kleenheim wechselnde Nils Kaiser gewonnen werden. Jan Vogel (Lollar/Ruttershausen) verstärkt den Kreis zusammen mit Leon Ziegler, der aus der zweiten Mannschaft aufrückt. Jan Philipp Schmitz (Rechtsaußen) ging vorher in Lang-Göns auf Torejagd, das sich aber aus der Landesliga zurückgezogen hat.

Ein Blick ans andere Ende der Tabelle zur HSG Lollar/Ruttershausen. Auch dort ist man froh, trainieren zu können. »Es läuft jetzt seit drei Wochen, im Juli kommt noch eine Pause«, führt Coach Dino Dragicevic aus. Seine Auswahl hielt am Ende die rote Laterne in der Hand, hoffte aber, mit einer Reihe an Heimspielen gegen gleichrangige Gegner den Klassenerhalt zu schaffen. Mit Blick auf die Zukunft gälte es einfach abzuwarten, sagt der Trainer weiter. Nur eine Saison unter Ausschluss der Öffentlichkeit fände er schade: »Wir trainieren für die Fans. Eine Halle ohne sie, das ist wie Training.«

Zuschauer ja oder nein - ein Faktor, den Schuchmann auch finanziell problematisch bewertet. Wegen der laufenden Kosten sei das »unvorstellbar«, so der Lumdataler Coach, dessen Team normalerweise um die 200 Fans anzieht.

Einen Einblick in den Trainingsalltag gibt Mario Weber. Nach sechs Wochen Pause stellte der Übungsleiter seiner HSG Linden ein individuelles Programm zur Verfügung, bevor seit Anfang Juli mit Körperkontakt trainiert werden kann. Die Arbeit in Kleingruppen unterliegt auch hier den Hygienevorschriften. Im trainingsfreien Juli kriegen die Spieler, zu denen neue Akteure wie Leon Friedl (Hüttenberg), Kaspar Krauhausen (Langgöns), Leon Rüdesheim (eigener Nachwuchs) und Lukas Mikusch (Wetzlar) zählen, dann einen Kraftplan. Sollte der Ligabetrieb dann ab September regulär laufen, gäbe es viele Fragen: »Die Leistungsdichte war ja letzte Saison schon von Platz zwei bis acht sehr eng und einige Mannschaften haben sich gut verstärkt. Es gibt starke Aufsteiger, so dass es wirklich spannend wird, wer mit der aktuellen Situation mit am besten umgeht.«

Dirk Happel, Trainer des TV 05/07 Hüttenberg II, hatte das Training nach Ausbruch der Pandemie nach draußen verlegt. Auch beim TVH II läuft mittlerweile wieder ein normaler Übungsbetrieb indoor. »Indoor«, das ist im Falle der Halle in Hüttenberg eine 1500 Zuschauer fassende Sportstätte. Eine Saison ohne Zuschauer sei laut Happel nicht nur »völlig unterinteressant« und finanziell schwierig: »Wir leben im Handball von den Einnahmen.« Mit Blick auf die Größe der Sporthalle hofft der Übungsleiter auch auf ein Hygienekonzept, dass - »wenn alle Stricke reißen« - zumindest einigen 100 Fans den Eintritt erlaubt. In der kommenden Spielzeit spielt der TV 05/07 Hüttenberg II mit den Zugängen Aron Nandzik, Konrad Stankewitz (beide eigene Jugend) sowie Moritz Schäfer, (HSG Wettenberg) und Nils Tietböhl (TSV Lang-Göns).

Bei den TSF Heuchelheim ist man seit vier Wochen wieder im zulässigen Trainingsbetrieb. »Wir haben und schon wieder etwas Praxis erarbeitet«, berichtet Trainer Claus Well, auch wenn es natürlich »schwer ist, weil man nicht weiß, worauf man exakt hin arbeitet.« Da stellen sich viele Fragen. Erfolgt der Saisonstart tatsächlich am 12. September? Sind Testspiele möglich? Werden Turniere zugelassen? Eine Woche trainieren die Heuchelheimer Landesliga-Handballer noch im üblichen Rhythmus, bis Ende Juli folgt danach eine zweiwöchige Pause, ehe es wieder richtig losgeht.

Personell hat sich bei den Turn- und Sportfreunden einiges getan. Torhüter Dennis Geier kommt von der TGS Langenhain, Linksaußen Felix Brühl vom TV Offenbach-Bieber. Lukas Foos (HSG Buseck), Christian Zimbelmann (HSG Wettenberg) und der tunesische Student Khaled Bach Hambar komplettieren den Kader. Nicht mehr zur Verfügung stehen Dennis Weber (zur KSG Bieber), Sascha Hofmann (2. Mannschaft), Henry Rinn (Studium) und Christian Weidner (HSG Lollar/Ruttershausen).

Bei Aufsteiger HSG Hungen/Lich weiß man um die Schwere der Aufgaben, die in der Landesliga bevorstehen. Trainer Carsten Schäfer hat sein Team seit 2. Juli wieder um sich versammelt und wartet eigentlich täglich darauf, wieder mit mehr als nur zehn Leuten arbeiten zu können. »Unser Vorbereitungsplan ist auf Saisonstart 12. September ausgelegt. Keiner kann derzeit verlässlich sagen, ob das so bleibt. Vielleicht geht ja auch erst am 1. November los. Da müssen wir jetzt alle durch.«

Timo Metzger hat den Neuling Richtung HSG Wettertal verlassen, dafür haben sich mit Niklas Wenzel und Julian Brüsche zwei junge Spieler von der HSG Lollar/Ruttershausen dem Schäfer-Team angeschlossen. »Uns traut keiner einen Punkt zu, aber genau den wollen wir holen«, ist Schäfer klar, dass man als Außenseiter in die Saison geht. »Mit acht Mannschaften aus der Region ist das eine für uns und die Zuschauer eine attraktive Liga«, freuen sich Schäfer und der Aufsteiger auf das Neuland, welches sie betreten.

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