24. März 2020, 12:30 Uhr

Sport

Kurzarbeit als Rettungsanker

Die Corona-Krise trifft Profiligen im Handball und Basketball besonders schwer. Ein Abbruch der Saison wird immer wahrscheinlicher.
24. März 2020, 12:30 Uhr
Uwe Schwenker

Der Weg zur möglichen Rettung ist eigentlich recht schnell erledigt. Nur zwei Seiten umfasst der Antrag auf Kurzarbeitergeld, die Höhe des Verdienstausfalls muss natürlich eingetragen werden, einige Fragen mit Ja oder Nein beantworten werden. Unterschrift, fertig. Und ab zur Agentur für Arbeit damit.

Im Kampf um das finanzielle Überleben wird das Kurzarbeitergeld auch für viele Sportklubs, im Grunde ja mittelständische Unternehmen, immer interessanter. »Kurzarbeit ist ein sehr gutes Instrument«, sagte der renommierte Arbeitsrechtler Johan-Michel Menke. Bei Profi-Fußballern dürfte es »wegen der Beitragsbemessungsgrenze von 6900 Euro in West- und 6450 Euro in Ostdeutschland aber wohl nur unterhalb der 1. und 2. Bundesliga Anwendung finden«, sagte der Jurist, angesichts der Millionengehälter sei das »eher ein Tropfen auf dem heißen Stein«. Kurzarbeit betrifft aber nicht nur die Spieler, »sondern auch andere Mitarbeiter«, sagte Menke.

Und es betrifft vor allem nicht nur den Fußball. Im Volleyball haben zum Beispiel die United Volleys Frankfurt das Kurzarbeitergeld für Mitarbeiter als auch Spieler bereits beantragt, Basketball-Bundesligist BG Göttingen für zahlreiche Angestellte, und auch bei einigen Clubs aus der Handball-Bundesliga wie dem SC Magdeburg und dem SC DHfK Leipzig wurden die Anträge bereits in die Post gegeben.

»Das ist im Moment das meistdiskutierte Thema. Das haben wir auch mit den Klubs der ersten und zweiten Liga erörtert«, sagte Uwe Schwenker, Präsident der Handball-Bundesliga (HBL), im Podcast »Kreis Ab«: »Das ist die beste und am wenigsten bürokratische Hilfe, die wir von Seiten der Politik bekommen können. Die Clubs beschäftigen sich natürlich aktuell in erster Linie mit diesen Themen.«

Und auch im Fußball sind die finanziellen Sorgen längst so groß, dass die Vereine auf Kurzarbeitergeld angewiesen sind. So wollen unter anderem die Drittligisten 1. FC Kaiserslautern, SV Meppen, Eintracht Braunschweig und Carl Zeiss Jena so die Einbußen durch entgangene Einnahmen wegen der Aussetzung des Spielbetriebs wenigstens ein bisschen auffangen.

»Wir werden den Betrieb beim FCK aufrecht halten, jedoch auf das Nötigste runterfahren. Wir werden sozusagen auf Sparflamme laufen«, sagte Soeren Oliver Voigt, Geschäftsführer der Roten Teufel. Alle Mitarbeiter des Traditionsklubs, »inklusive der Spieler der ersten Mannschaft«, gehen in Kurzarbeit. Das ist auch in Braunschweig der Fall. »Damit möchten wir ein Zeichen setzen und unseren Beitrag leisten, dass der Verein diese Krise übersteht«, sagte Kapitän Bernd Nehrig.

Finanzminister Olaf Scholz hatte zuletzt auch dem Sport wegen der Pandemie Solidarität auf dem Arbeitsmarkt zugesichert. »Wir werden niemanden alleine lassen«, sagte der SPD-Politiker. Damit die Clubs wegen der Coronakrise nicht gleich Mitarbeiter entlassen müssen, springt die Bundesagentur für Arbeit ein. Für beispielsweise nur 20 statt 40 Arbeitsstunden pro Woche zahlt der Arbeitgeber auch nur die Hälfte. Die Arbeitsagentur zahlt rund 60 Prozent des ausgefallenen Lohns - bei Arbeitnehmern mit mindestens einem Kind im Haushalt sind es 67 Prozent.

Wer also wegen der gekürzten Arbeitszeit etwa 1000 Euro netto weniger im Monat verdient, bekommt 600 oder 670 Euro von der BA. Für die Lücke von 400 oder 330 Euro bekommt der Beschäftigte noch keinen Ersatz. Die Politik arbeitet aber mit Arbeitgebern und Gewerkschaften an einer Lösung.

Schlagworte in diesem Artikel

  • 1. FC Kaiserslautern
  • Basketball
  • Bernd Nehrig
  • Bundesagentur für Arbeit
  • Carl Zeiss Gruppe
  • Carl Zeiss Jena
  • Eintracht Braunschweig
  • Handball-Bundesliga
  • Kurzarbeitergeld
  • Olaf Scholz
  • Rettungsanker
  • SC DHfK Leipzig
  • SC Magdeburg
  • Sport-Mix
  • Uwe Schwenker
  • SID
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben - Ihre Meinung zum Thema ist gefragt


Kommentare werden erst nach einer Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht. Bitte beachten Sie die Netiquette sowie die Hinweise nach dem Absenden Ihres Beitrags.


Überschrift
Meine Meinung





Sie haben noch kein Login? Jetzt kostenlos registrieren.

Registrieren Sie sich kostenlos um Ihren Kommentar abzuschließen:

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet werden und nicht ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben werden.


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 1 + 1: 




Sie sind bereits registriert? Zurück zum Login.