02. Juli 2020, 12:20 Uhr

Handball

HSG Wetzlar startet am 16. Juli

Seit Anfang März ruht der Handball wegen der Corona-Krise. Nun legen die Bundesligisten wieder mit dem Training los. Doch es wird keine normale Saisonvorbereitung. Auch nicht für die HSG Wetzlar. Seit Anfang März ruht der Handball wegen der Corona-Krise. Nun legen die Bundesligisten langsam wieder mit dem Training los. Doch es wird keine normale Saisonvorbereitung. Auch für die HSG Wetzlar nicht. Am 16. Juli soll es losgehen.
02. Juli 2020, 12:20 Uhr

HSG Wetzlar


Das Handball-ABC müssen die Bundesligaprofis nach der mehrmonatigen Corona-Pause nicht neu erlernen - und doch stellt der Wiedereinstieg in den Trainingsbetrieb die Spieler und Trainer vor eine besondere Herausforderung. »Man muss ganz langsam anfangen«, sagte Maik Machulla, Coach des deutschen Vizemeisters SG Flensburg/Handewitt. »Das Ganze wird einen Touch von Kinder-Handball haben. Die Schulter wird sich erst wieder an Wurf-Situationen gewöhnen müssen.«

Drei Monate vor dem geplanten Saisonauftakt am 1. Oktober haben mit dem SC DHfK Leipzig und der HBW Balingen/Weilstetten bereits am Mittwoch die ersten Vereine mit der Vorbereitung losgelegt. Wie die meisten Clubs planen die Sachsen eine Pause zwischen zwei längeren Trainingsblöcken ein. Das Gros der wegen der Corona-Krise auf 20 Clubs aufgestockten Liga will bis Mitte Juli wieder das Training aufnehmen. Darunter auch die heimische HSG Wetzlar.

»Wir haben unseren Trainingsauftakt für den 16. Juli bestimmt«, sagt Kai Wandschneider, der vor seiner letzten Saison als Trainer der HSG Wetzlar steht. »Wir bereiten uns im Rhythmus 5-1-5 vor«, sagt der 60-Jährige, dem aktuell am Dienstag in seiner Geburtstadt Hamburg an der Alster mächtig der Wind um die Nase wehte. Heißt: Fünf Wochen dosierter Wiedereinstieg mit dreimal 60 Minuten Training pro Woche, danach eine Woche Pause, ehe es in die fünfwöchige intensive Vorbereitungsphase geht. »Gerade der erste Abschnitt ist im Hinblick auf die Verletzungsprophylaxe enorm wichtig.«

Die Handball-Bundesliga (HBL) erarbeitet aktuell ein Hygienekonzept, auf dessen Basis die Vereine die neue Spielzeit vorbereiten und dann auch bestreiten sollen. »Die meisten glauben, wir könnten einfach von den Konzepten vom Fußball oder Basketball abschreiben. Aber es ist schon mal grundsätzlich anders, dass wir an einem Konzept mit Zuschauern arbeiten. Auch der Wettkampf wird anders aussehen«, sagte HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann.

Den Entwurf, der in rund zwei Wochen vorliegen soll, müssen die Clubs dann bei den zuständigen Gesundheitsämtern vorlegen. »Es bedarf immer der individuellen Zustimmung der jeweiligen Behörde vor Ort«, betont Bohmann.

Die Begleiterscheinungen des Neustarts werden aber überall ähnlich sein. »Normalerweise würde ich mich mit fünf Wochen Vorbereitung begnügen, nun halte ich aber neun Wochen für nötig«, sagt Machulla stellvertretend für seine Trainerkollegen. Über das Lauf- und Kraftvermögen mache er sich keine Sorgen, »aber für Handball brauchen wir mehr Zeit. Wir werden zunächst auf Zweikämpfe verzichten. Die Trainingseinheiten werden kurz sein, in denen vorerst Passübungen oder Richtungsänderungen dominieren werden«, schilderte er den Plan.

Machulla gehört zu einer vierköpfigen Trainer-Taskforce, die mit der HBL in engem Austausch über den Saisonmodus und die unterschiedlichen Trainingsbedingungen in den Bundesländern steht. »Punkte wie Chancengleichheit und Planbarkeit sind uns sehr wichtig«, betonte er.

Neben Machulla haben sich bei diesem Konzept Sebastian Hintze (Bergischer HC), Frank Carsten (GWD Minden) und eben Wetzlars Kai Wandschneider eingebracht. »Es ändert sich ja Woche für Woche etwas«, gibt Wandschneider einen kurzen konzeptionellen Einblick, »den ersten Ansatz haben wir inzwischen längst wieder modifiziert, weil mittlerweile ja wieder als komplettes Team trainiert werden darf.«

Auch wenn an eine Rückkehr zur Normalität längst noch nicht zu denken ist, freut sich der 43-Jährige Maik Machulla wie alle in der Branche darüber, dass die Liga nach monatelanger Unsicherheit wieder eine Perspektive hat. »Es ist schön, dass es nun einen Zeitplan gibt«, sagt Machulla.

Kai Wandschneider freut sich bereits auf den 16. Juli. »Ich bin ausgeruht und voller Tatendrang, der Akku ist voll. Es ist gut für uns alle im Profigeschäft, wenn die Tagesabläufe wieder klarer strukturiert sind.« Beim Neustart fehlen wird allerdings der bisherige Athletiktrainer Jonas Rath, der andernorts eine neue Aufgabe übernommen hat. Der Nachfolger soll demnächst präsentiert werden.

Der HSG-Coach geht davon aus, dass zum angesetzten Laktattest alle Spieler aus dem Bundesliga-Kader erscheinen werden. »Ich denke, solange die Hoffnung besteht, dass der Profisport überlebt, sind die Aktiven auch zu Einbußen bereit«, zerstreut der 60-Jährige die Bedenken, coronabedingte Vertragsanpassungen würden zeitnah elementare personelle Veränderungen bringen. »Ich gehe davon aus, dass auch alle unsere Neuzugänge da sein werden. Das dürfte mindestens bis zum Winter kein Problem sein. Verändert sich der Profisport in unserem Bereich wegen Corona aber dauerhaft, steht er vor rapiden Veränderungen. Das gilt aber nicht nur für uns, sondern für alle in diesem Geschäft.«

Verabschiedet der Bundestag heute die Konjunkturhilfen in Höhe von 200 Millionen Euro für den Profisport, so kämen die Handball-Bundesliga im allgemeinen sowie die HSG Wetzlar im besonderen in den Genuss erheblicher finanzieller Beihilfen. Bei 80 Prozent des Netto-Umsatz der fehlenden Zuschauereinnahmen von April bis Dezember wäre dies nicht nur ein hoher sechsstelliger Betrag für die Grün-Weißen, sondern zudem das Signal, dass die Spielzeit 2020/21 am 1. Oktober notgedrungen auch weiter ohne Zuschauer starten könnte.

In die Saison starten müsse die Handball-Bundesliga, so Wandschneider, unbedingt Anfang Oktober, »denn sonst lässt sich das bevorstehende Mammut-Programm mit 38 Spieltagen nicht bewältigen.« Wird es später, pfeift der Bundesliga der Wind ähnlich heftig um die Nase wie Kai Wandschneider bei seiner Hamburger Tour an der Alster.

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