HSG Hungen/Lich ist zur festen Größe aufgestiegen

Die HSG Hungen/Lich erwartet als Spitzenreiter der Bezirksoberliga die seit acht Spieltagen ungeschlagene HSG Mörlen.
01. Februar 2020

von Harold Sekatsch
Auf eine voll besetzte Hungener Stadthalle hoffen heute  Marvin Schmied (am Ball) und Co., wenn Bezirksoberliga-Spitzenreiter HSG Hungen/Lich die HSG Mörlen zu Gast hat.		FOTO: VOGLER
Auf eine voll besetzte Hungener Stadthalle hoffen heute Marvin Schmied (am Ball) und Co., wenn Bezirksoberliga-Spitzenreiter HSG Hungen/Lich die HSG Mörlen zu Gast hat. FOTO: VOGLER

Mit dem Tabellenführer HSG Hungen/Lich und dem Rangsechsten HSG Mörlen stehen sich am heutigen Samstagabend (20 Uhr/Sporthalle der Gesamtschule Hungen) die beiden zurzeit erfolgreichsten Mannschaften der Handball-Bezirksoberliga gegenüber. Hungen/Lich bekleidet mit 24:6 Punkten den ersten Platz, Mörlen mit 18:12 Zählern Rang sechs. Dazwischen liegen vier Mannschaften, die ebenfalls für den Titelgewinn infrage kommen.

»Ich finde es für die Liga toll«, sagt Hungens Trainer Carsten Schäfer. »Nach den vielen Durchmärschen zuletzt ist sehr viel Spannung drin. Wir möchten natürlich drin bleiben in der Gruppe. Wenn wir gegen Mörlen verlieren sollten, sind es sogar sechs Teams an der Spitze.« Und dann muss der HSG-Coach einräumen: »Unsere Kurve zeigt deutlich nach unten. Wer den Rückrundenauftakt gesehen hat mit sechs, sieben Verletzten, hat gemerkt, wie schwer wir uns tun. Wenn die Verletzten zurückkommen, müssen wir die erst einmal wieder einbauen. Aber diese Zeit lässt uns die Spitze nicht.«

Dass seine Mannschaft jetzt ganz oben steht, ist auch für Schäfer eine Überraschung. Der Trainer weist auf die fünf Neuzugänge hin, die erst einmal eingebaut werden mussten. »Platz sechs bis sieben war für uns realistisch.« Zahlreiche Ausfälle haben die Mannschaft zwar zurückgeworfen, aber das schlägt sich nicht im Tabellenstand nieder. »Wir haben Spieler aus der zweiten Mannschaft, die aus beruflichen Gründen nicht mehr in der ersten spielen können, sowie Stand-by-Spieler, die geholfen haben«, nennt Schäfer einen Grund, warum die Ausfälle kompensiert werden konnten. Außerdem: »Da wir wussten, dass die Bezirksoberliga in diesem Jahr noch besser wird, mussten wir in der Vorbereitung noch einmal eine Schippe drauflegen. Da haben die Spieler zugelegt und/oder sind gereift.«

Inzwischen ist die Männermannschaft der HSG Hungen/Lich eine Größe in Handball-Mittelhessen, nachdem bereits im Frauen- bzw. noch mehr im Bereich der Handball-Mädchen die vom TSV 1848 Hungen und dem TV 1860 Lich gebildete HSG landesweit in Erscheinung getreten ist. »Wir sind im weiblichen Jugendbereich einer der führenden Vereine in Hessen«, stellt Tobias Weyrauch heraus, der zusammen mit Cataldo Parise die Abteilungsleitung bildet. »Vier Hessenmeisterschaften und unzählige Oberliga-Teilnahmen sprechen für sich. Auch die Zusammenarbeit mit der Dietrich-Bonhoeffer-Schule Lich ist unglaublich erfolgreich: unter anderem vier Hessenmeisterschaften und die zweimalige Teilnahme am Bundesfinale in Berlin stehen hier zu Buche. Leider konnten wir bislang davon nicht allzu viel profitieren, da unsere gut ausgebildeten Spielerinnen nach Höherem streben und deshalb den Verein Richtung Landes-/Oberliga oder gar 3. Liga verlassen. Doch sind die meisten Mädels immer noch sehr mit dem Verein verbunden und werden früher oder später wieder zurückkehren. Alle ehemaligen Spielerinnen werden mit offenen Armen empfangen.«

Für den Erfolg wird allerdings auch einiges getan. So berichtet Weyauch, dass »wir ständig in einem großen Vorstandsteam an Jugendkonzepten arbeiten. Wir konnten erstmals sogar eine Oberliga-Mannschaft im männlichen Bereich (Jugend C) stellen. Unser Ziel ist es, die Erwachsenenmannschaften aus den eigenen Reihen zu ergänzen oder Abgänger später wieder zurückzuholen.« Und damit spricht Weyrauch etwas an, was für die HSG hohen Stellenwert genießt: »Bei uns herrscht familiäre Stimmung, was man auch Woche für Woche an den Zuschauerzahlen sehen kann. Unsere Jungs und Mädels verstehen sich auch neben dem Handball sehr gut, und da ist es nicht erforderlich, mit Geld zu locken.«

Dass aus der »kleinen« HSG inzwischen ein große Gemeinschaft geworden ist, macht Weyrauch an anderer Stelle deutlich: »Mit 19 Jugend- und Erwachsenenteams sowie vier Minis gehören wir zu den größten Vereinen in Mittelhessen. Dies zu halten, wird eine große Herausforderung, auch für alle ehrenamtlichen Vorstandsmitglieder. Es ist nicht einfach, junge Erwachsene fürs Ehrenamt zu begeistern.«

Stichwort Schiedsrichter: »Insbesondere der Bereich Schiedsrichter ist - wie fast überall - ein Riesenproblem«, wie Weyrauch einräumt, allerdings gibt es innovative Ideen: »So wird die weibliche und männliche Jugend E unter anderem von unseren Oberligaspielern der männlichen Jugend C gepfiffen.«

Und dann gibt es noch etwas, was von der HSG Hungen/Lich kritisiert wird: »Leider haben wir das Gefühl, dass man vonseiten des DHB und des HHV immer mehr auf Ausbildungszentren setzt, um die Bundesliga-Vereine mit Nachwuchs zu versorgen. Man übersieht aber, dass Minis nicht in Ausbildungszentren anfangen, sondern in den Basisvereinen. Wenn man dadurch diese Strukturen zerstört, wird es auch keine Kinder und Jugendliche geben, die in diese Ausbildungszentren gehen.«

Zurück zur Männermannschaft in der Bezirksoberliga: »Unser Trainerteam Schäfer/Henning See genießt volles Vertrauen. Unser Konzept ist auf viele Jahre ausgelegt, und wir legen sehr viel Wert auf eine gestärkte Jugendarbeit. Investitionen nur in einzelne Spieler, die von außen gelockt werden, bilden keine Mannschaft - und auf Dauer haben diese Vereine auch keinen Erfolg.« Eine klare Aussage von Weyrauch. Inzwischen ist die HSG Hungen/Lich eine feste Größe in der höchsten Klasse auf Bezirksebene, wie Platz eins und 10:0 Punkte aus den letzten fünf Spielen belegen.

Auch die HSG Mörlen, die heute Abend in Hungen zu Gast sein wird, machte zuletzt von sich reden. Mit 18:12 Punkten liegt die Mannschaft auf dem sechsten Platz, nachdem sie mit 3:11 Punkten in die Saison gestartet war. Den einzigen Sieg bis dato hatten die Mörler pikanterweise gegen Hungen/Lich eingefahren, ansonsten setzte es weitgehend Niederlagen. »Im Moment passt alles«, sagt Mörlens Trainer Philipp Petriesas. »Wenn der Sechste zum Ersten fährt, stellt sich nicht die Frage nach dem Favoriten.« »Das wird sicherlich ein kampfbetontes Spiel«, prophezeit dagegen Weyrauch. Und dann wagt er so etwas wie einen Tipp: « Wer an diesem Tag den besseren Torwart hat, liegt knapp vor. Weiterhin kommt es auch darauf an, wie viele Stammspieler bei uns wieder fit sind.« Man wird es sehen. Heute Abend um 20 Uhr geht es los.