28. April 2020, 12:00 Uhr

Handball

HSG Hungen/Lich, der Gegenstoß-Aufsteiger

Der größte Erfolg in der jungen Geschichte der HSG Hungen/Lich geht trotz Coronakrise in die Klubannalen ein. Die Bezirksoberliga-Handballer steigen in die Landesliga Männer auf.
28. April 2020, 12:00 Uhr
Paul Dönicke (17) und die HSG Hungen/Lich haben die Handball-Bezirksoberliga gerockt und spielen in der neuen Saison in der Landesliga. FOTO: FRIEDRICH

20 Spieltage, 4 Niederlagen und 16 Siege - so lautet die Bilanz der ersten Männermannschaft der HSG Hungen/Lich in der Handball-Bezirksoberliga. Es folgte der Abbruch der Runde und die Erkenntnis: Wir sind Tabellenführer und damit Aufsteiger in die Landesliga. »Das haben wir mitten im Training am Donnerstag erfahren. Das war schon ein bisschen unwirklich«, erinnert sich Torhüter Max Krieg zurück. »Wir haben uns zwar gefreut, aber nicht so, als wäre das auf der Platte passiert. Wir hätten die Runde gerne zu Ende gespielt. Wenn man den Aufstieg womöglich noch vor eigenem Publikum festgemacht hätte, wäre das noch mal etwas ganz anderes gewesen. So haben wir das Training ganz normal beendet und uns am Freitag noch mal für eine kleine interne Feier getroffen.«

Sein Trainer Carsten Schäfer ist bezüglich der ganzen Situation eher unglücklich. Er und Co-Trainer Henning See können den getroffenen Entscheidungen bezüglich dieser Saison sportlich wenig abgewinnen, stellen aber auch klar: »Wenn jemand sagt, dass ist jetzt nach 20 Spieltagen so, dann haben wir das auch verdient.«

Das große Tamtam nach einem Aufstieg blieb jedoch aus. Aus Respekt vor den anderen Mannschaften gab es weder auf der vereinseigenen Homepage noch in den sozialen Medien irgendwelche Berichte über einen glorreichen Titelgewinn. »Ich sehe uns nicht als Meister, ich sehe uns als Aufsteiger«, betont Schäfer. »Ich bin Sportler und ich will Titel auf dem Feld gewinnen.«

Vor der Saison war der Aufstieg in der Mannschaft kein Thema. Krieg gibt jedoch zu: »Mein persönliches Ziel war es schon, aber ausgegeben haben wir es nicht.« Zum Start gelangen Siege bei der HSG Linden II und gegen die SG Rechtenbach, ehe es bei der HSG Mörlen die erste Niederlage setzte. Davon unbeirrt marschierte die HSG weiter, setzte vier Erfolge in Serie oben drauf und musste sich erst bei der HSG Kleenheim-Langgöns II wieder geschlagen geben. Das einzige richtig schlechte Spiel lieferte man in der Hinrunde bei der HSG Dilltal ab, wo man mit 19:30 unterging. So belegte die Spielgemeinschaft aus Hungen und Lich in der Weihnachtspause den zweiten Tabellenplatz.

»Uns wurde langsam klar: Da geht was«, sagt Krieg, der vor allem die Konstanz seiner Mannschaft dafür Verantwortlich macht, dass man am »Ende« der Runde auf dem ersten Platz steht. »Ich glaube, wir hätten es auch ohne diesen Abbruch geschafft. Wir funktionieren durch unseren Teamgeist und unsere Schnelligkeit. Jeder gibt alles für die Mannschaft, da kann man gar keinen herausheben.«

So sieht das auch sein Trainer, der sich dagegen sträubt, einzelne Spieler hervorzuheben. »Den einen Starspieler haben wir nicht. Das klingt plakativ, aber das ist bei uns wirklich so. Wir sind eine ganz verrückte Truppe und bei uns ist jeder gleich wichtig. Wenn da einer aus der Reihe tanzt, wird er von mir und auch allen anderen der Mannschaft sofort eingefangen.«

Trotzdem kommt auch er nicht umhin, seine erste und zweite Welle zu loben, an der sich alle Spieler beteiligt haben. Vor allem von den Außenpositionen konnten auf diesem Weg viele Torchancen ermöglicht werden, die diese weidlich nutzten. Auf der rechten Seite rannten Paul Dönicke und Timo Metzger die Linie rauf und runter, auf der linken taten es ihnen Anton Hahn und Michael Kümpel gleich. Diese vier waren allein für 265 von 580 Toren ihres Teams verantwortlich, wovon 50 per Siebenmeter von Kümpel erzielt wurden. In der Torschützenliste erscheint Luca Macht als erster mit 88 Treffern auf Rang 13. Hahn und Metzger folgen auf den Plätzen 28 und 29. Ein weiterer Beweis für die Ausgeglichenheit im Kader der HSG.

Im Rückraum kann Trainer Schäfer auf acht Akteure setzen, die sehr variabel einsetzbar sind. Macht ist auf der Mittelposition der verlängerte Arm des Trainers auf dem Feld. Und so startete die HSG mit fünf Siegen in die Rückrunde, ehe es im vorletzten Spiel bei der HSG Dutenhofen/Münchholzhausen III um die Verteidigung der Spitzenposition ging. In einer packenden Partie waren die Dutenhofener Gastgeber in den entscheidenden Phasen das bessere Team, gewannen mit 30:26 und holten sich die Tabellenführung.

»Wir waren eine der Überraschungsmannschaften der Liga und hatten nach dieser Partie vermeintlich alles verloren«, meinte Schäfer rückblickend. Doch seine Männer zeigten Nehmerqualitäten. Im darauffolgenden Spiel bei der MSG Florstadt/Gettenau setzten sie sich mit 36:24 durch, Dutenhofen verlor hingegen in Marburg. So hatte die HSG Hungen/Lich wieder einen Punkt mehr auf dem Konto, eroberte zum richtigen Zeitpunkt den Platz an der Sonne und sorgte für den größten Erfolg der Vereinsgeschichte im Männerhandball.

Die Zugänge für die neue Saison sind bereits festgezurrt. Im Tor ergänzt Julian Brücher den Kader, zudem stößt Niklas Wenzel zur HSG. Beide wechseln von Landesligist HSG Lollar/Ruttershausen nach Hungen und Lich. »Die Kaderplanung ist damit abgeschlossen und wir gehen genau so in die neue Saison wie wir sind«, ist Schäfer von seiner Mannschaft überzeugt. »Jeder prognostiziert, dass wir in der Landesliga keinen Punkt holen. Aber genau das ist unser Ziel«, schmunzelt er, »den einen Punkt, den uns keiner zutraut, den wollen wir holen.«

Für Krieg ist die neue Liga kein Neuland. »Für die Landesliga müssen wir uns anstrengen und vielleicht auch drei Mal in der Woche trainieren.« Zudem wird der Abstiegskampf dadurch verschärft, dass es in dieser Runde keine Absteiger geben wird, in der neuen jedoch dementsprechend mehr. Dennoch sagt der Keeper: »Ich traue uns das zu, wobei wir natürlich erst mal um den Klassenerhalt kämpfen werden.«

Schlagworte in diesem Artikel

  • Erfolge
  • HSG Hungen/Lich
  • HSG Mörlen
  • Handball
  • Kriege
  • Landesligen
  • MSG Florstadt/Gettenau
  • Daniela Pieth
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben - Ihre Meinung zum Thema ist gefragt


Kommentare werden erst nach einer Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht. Bitte beachten Sie die Netiquette sowie die Hinweise nach dem Absenden Ihres Beitrags.


Überschrift
Meine Meinung





Sie haben noch kein Login? Jetzt kostenlos registrieren.

Registrieren Sie sich kostenlos um Ihren Kommentar abzuschließen:

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet werden und nicht ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben werden.


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 5 + 1: 




Sie sind bereits registriert? Zurück zum Login.