25. Januar 2020, 07:00 Uhr

FC Gießen RESTRUNDE FIX

FC Gießen: Zur Rettung fehlen noch die Verträge

Die Rettung des FC Gießen ist in Sicht: Die neuen Investoren des Fußball-Regionalligisten haben mündlich zugesagt - Verträge müssen nun ausgearbeitet werden.
25. Januar 2020, 07:00 Uhr
Die Fahne des FC Gießen wird allem Anschein nach hoch gehalten - die neuen Investoren haben ihre mündliche Bereitschaft erklärt. FRIEDRICH (Foto: SOMMERFELD_C)

Läuft alles nach Plan, hat die neue Führung um Markus Haupt kommende Woche die Zukunft des FC Gießen gesichert. In einer Sitzung am vergangenen Montag haben die neuen Investoren ihre Untersützung beim heimischen Fußball-Regionalligisten - mündlich - zugesagt. Vorrausetzung für eine vertragliche Bindung: Dass sich die alte Führung um den zurückgetretenen Jörg Fischer ebenfalls in einem schriftlich fixierten Papier bereit erklärt, alle Altlasten aus dem Jahr 2019 zu übernehmen - und nicht nur eine mündliche Absichtserklärung abgibt.

»Besser hätte es nicht laufen können«, sagte Haupt zur Sitzung mit den Investoren. In dieser hatte der Geschäftsführer den neuen Geldgebern den »Businessplan« mit der Einnahmen-/Ausgaben-Rechnung für die restliche Saison vorgelegt. Ein Notar ist nun damit beauftragt, die Verträge für die neue Sponsoren-GmbH vorzubereiten. Dazu zählt auch ein Vertrag zwischen der alten Führung um Fischer und der neuen GmbH, der vorsieht, dass von der neuen Gesellschaft keine Altlasten übernommen werden.

Am kommenden Montag wollen sich die Betroffenen erneut zusammensetzen. Fischers schriftlicher Bestätigung vorausgesetzt, sollen die Verträge nach Überprüfung unterzeichnet, das Konto der neuen GmbH eröffnet, Geld eingezahlt und wiederum auf die Konten der Spieler überwiesen werden. So sieht der Plan der aktuellen Vereinsführung aus - Mitte kommender Woche könnte die Rettung verkündet werden.

»Wir arbeiten daran, den Spielern das Dezember-Gehalt noch bis Ende Januar zu überweisen«, erklärt Haupt. Die Rechnung also lautet: Begleicht die alte Führung um Fischer die offenen Posten aus 2019, blickt der FC in eine (vorerst) gesicherte Zukunft.

Nach Informationen dieser Zeitung steht nicht nur das Dezember-Gehalt aus, auch Zahlungen von Hotelübernachtungen und Busfahrten zu Auswärtsspielen in der jetzigen Saison sollen noch ausstehen. Gelingt die Rettung nicht, stehen 28 Akteure nach dem Ende der Wechselfrist am 1. Februar vor einer halben spielfreien Saison.

Der Regionalligist befindet sich seit Oktober 2019 in erheblichen finanziellen Problemen, konnte die Gehälter immer wieder nur verspätet auszahlen. Fischer, bis zum Spätherbst 2019 Geschäftsführer des Vereins und vom bisherigen Hauptsponsor GHI, hatte sich zurückgezogen und der neuen Führung versprochen, alle finanziellen Altlasten von 2019 zu begleichen - ein klarer Schnitt ist angestrebt.

Seit dem 1. Januar Jahr 2020 steht Markus Haupt mit seinem sechsköpfigen Team in der Verantwortung. Dieser sagt: »Wir sind auf einem guten Weg. Es ist selbstverständlich, dass wir noch vorsichtig sind und es wäre abenteuerlich von den Investoren, wenn sie nicht auf die schriftliche Erklärung von der alten Führung bestehen würden. Solange die Verträge nicht unterzeichnet sind und das Geld nicht geflossen ist, kann kein Vollzug vermeldet werden. Aber es sieht gut aus.«

Die neuen Geldgeber des FC Gießen sind Privatleute. »Sie wollen nicht genannt werden«, sagt Haupt. Am Dienstag hatte er vor der Mannschaft gesprochen, ihr erklärt, dass man vor einer Einigung mit den neuen Investoren stehe. »Es war eine kurze Rede ohne Details«, sagt Trainer Daniyel Cimen. Vorgestellt wurde auch der neue Teammanager, Marco Vollhardt. Der 28-Jährige wird künftig alle organisatorischen Aufgaben rund ums Regionalliga-Team übernehmen, nebenbei weiterhin bei Kreisoberligist SF Burkhardsfelden spielen.

Trainer Cimen erklärt: »Wir alle wünschen uns, dass Markus (Haupt, Anm. d. Red.) in die Kabine kommen und sagen kann, dass alle alten Rechnungen beglichen sind und wir einen Neuanfang starten können. Es wäre schön, wenn Ruhe einkehrt und das Thema im Februar nicht mehr präsent ist, sodass wir uns voll auf das Sportliche konzentrieren können.«

Auch abgesehen vom Finanziellen stellt die neue Führung die Weichen für die Zukunft: Die Geschäftstelle in Linden bleibt bis Ende Januar geschlossen, das Zentrum wird nach Gießen ins Waldstadion verlagert.

Die Mannschaft wird Stand 25. Januar in ihrer jetzigen Besetzung zusammenbleiben. Zwar haben sich einige Spieler (über Berater) nach einem neuen Verein umgesehen, allerdings feststellen müssen, dass mit einem Wechsel erhebliche finanzielle Einbußen und/oder ein Abstieg in eine tiefere Spielklasse verbunden wären. Die Plattform Regionalliga soll in der Restsaison genutzt werden, zudem ist das Vertrauen seit dem Führungswechsel gestiegen. »Das Potenzial in Stadt und Verein wird nach wie vor gesehen«, sagt der 35-jährige Cimen.

In der Vorbereitung auf die Restrunde in der Regionalliga, in der der FC Gießen fünf Zähler Rückstand auf einen sicheren Nichtabstiegsplatz aufweist, wird derzeit auch an neuen Spielsystemen gearbeitet. Die Dreierkette ist eine ernsthafte Option.

Das ergibt Sinn, verfügt der FC schließlich über sechs potenziell leistungsstarke Innenverteidiger: Kevin Nennhuber, Jure Colak, Vaclav Koutny, Samuel Sesay, Sascha Heil und Christopher Spang.

Zwar ist Cimen mit dem bisherigen Training zufrieden, personell aber könnte es besser laufen. Samir Benamar und Jake Hirst sind erkrankt, Christopher Schadeberg plagt sich mit Leistenproblemen herum. Samuel Sesay und Tim Korzuschek befinden sich im individuellen Aufbautraining. Positiv: Andrej Markovic ist wieder voll ins Training eingestiegen, kann beim heutigen Test (14 Uhr, Miller Hall) gegen Hanau 93 mitwirken.

Bei dem wegen Knieproblemen in dieser Saison noch gar nicht zum Einsatz gekommenen Oliver Laux steht kommende Woche eine Entscheidung bevor: Neuer Anlauf oder Verabschiedung vom Leistungsfußball. Der 29-Jährige, der in Köln lebt und studiert, hat in seiner Laufbahn bereits mehrere Kreuzbandrisse erlitten.

Neuzugänge sind aufgrund der nach wie vor im Schwebezustand befindlichen finanziellen Situation kein Thema. So sagt Cimen; »Wir können derzeit keine Angebot unterbreiten.« So hat sich der zuletzt im Probetraining überzeugende Japaner Ryoya Ito für einen bayrischen Oberligisten entschieden. Auch ohne Neuzugänge sagt Cimen: »Die Mannschaft hat gezeigt, dass sie das Zeug hat, die Regionalliga zu halten.«

TSV Steinb. (A) Sa., 22.2., 14.00

RW Koblenz (H) Sa., 29.2., 14.00

FSV Frankf. (A) Fr., 6.3., 19.00

Balingen (H) Sa., 14.3., 14.00

Walldorf (A) Fr., 20.3., 19.00

Mainz II (H) Sa., 28.3., 14.00

Saarbr. (A) Di., 31.3., 18.00

Alzenau (H) Sa., 4.4., 14.00

Hoffenh. II (A) Sa., 11.4., 14.00

SSV Ulm (A) Fr,. 18.4., 18.30

Freiburg II (H) Sa., 25.4., 14.00

VfR Aalen (A) Sa., 2.5., 14.00

Bahlingen (H) Sa., 9.5., 14.00

Offenbach (A) Sa., 16.5., 14.00

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