19. Februar 2020, 22:36 Uhr

FC Gießen

FC Gießen: Verträge für Trennung der Altlasten unterschrieben

Es gibt positive Nachrichten für Fußball-Regionalligist FC Gießen - das macht Markus Haupt, der neueChef des FC, im Interview deutlich. Er sagt aber auch: »Wir brauchen weiterhin Hilfe.«
19. Februar 2020, 22:36 Uhr
Blicken optimistisch in die Zukunft: Der kommissarische Geschäftsführer Markus Haupt (l.) und FC-Trainer Daniyel Cimen. HF

Am frühen Mittwochabend nahm sich der kommissarische Geschäftsführer des FC Gießen in seinem Autohaus in Grünberg Zeit, um vor dem Restrundenstart des FC am Samstag (14 Uhr, beim TSV Steinbach Haiger) über die Zukunft des Fußball-Regionalligisten zu sprechen.

Herr Haupt, wie würden Sie die Situation des FC Gießen am 20. Februar 2020 beschreiben?

Markus Haupt: Es ist weiterhin schwierig. Es ist uns wichtig, dass wir auf finanziell gesunden Füßen stehen - und wir verkünden nichts, was nicht absolut wasserdicht ist. Aber wir sind optimistisch, dass wir es hinbekommen.

Weshalb ist die Situation weiterhin schwierig?

Wir brauchen unabhängig von den sechs Geldgebern, die künftig Gesellschafter werden sollen, weiterhin Hilfe. Diese sechs Geldgeber werden die Finanzierung der restlichen Regionalliga-Saison nicht alleine stemmen. Wir brauchen weitere Unterstützung von Firmen aus der Gießener Wirtschaft. Am 27. Februar werden wir dazu potenzielle neue Sponsoren auf den Schiffenberg einladen, um uns zu präsentieren.

Wie soll die Finanzierung bis zum Sommer 2020 gesichert werden?

Die sechs Geldgeber leisten einen beträchtlichen Teil - hinzu kommen Zuschauereinnahmen, unter anderem das Hessenpokal-Halbfinale, Trikotverkäufe. Aber: Wir werden wie erwähnt weitere finanzielle Hilfe brauchen. Wir wissen mittlerweile, was die Mannschaft kostet und was auf uns bis zum Saisonende zukommt. Da kann man an der einen oder anderen Stelle schon sparen, an den Gehältern wird allerdings nicht gespart.

Der Betrag, der bis zum Saisonende aufgebracht werden muss, dürfte sich auf eine mittlere sechsstellige Summe belaufen.

Über Geld rede ich in der Öffentlichkeit nicht.

Wovon hängt die Gründung der geplanten Gesellschaft ab?

In den Gründungsvertrag müssen noch einige Kleinigkeiten eingearbeitet werden. Steuerberater und Notar sind im Austausch - die Gründung ist nur noch eine Frage von Wochen.

Die noch zu gründende Gesellschaft lebt davon, dass sich Kapitalanleger finden und Geld einzahlen - die Grundvoraussetzung für den Einstieg der sechs neuen Geldgeber war, dass sich der noch in Amt und Würden stehende Vorstand schriftlich bereit erklärt, die finanziellen Altlasten des FC Gießen aus dem Jahr 2019 zu übernehmen.

Das ist mittlerweile geschehen. Jörg Fischer hatte uns das schon häufig zugesagt und mittlerweile hat der geschäftsführende Vorstand um Dominik Fischer, Alexander Schmandt und Jörg Fischer unterschrieben. In dem Vertrag zwischen der GmbH und dem Vorstand wird festgehalten, dass das Spielrecht der ersten Mannschaft auf die Gesellschaft übergeht und dass die Altlasten aus dem Jahr 2019 in die Verantwortung des Vereinsvorstandes fallen. Damit sind wir einen großen Schritt weiter. Nun fehlt noch die Unterschrift der neuen Geldgeber, dass sie Anteile der neuen GmbH erwerben und sich als Gesellschafter einkaufen. Das dürfte in den nächsten Wochen passieren. Die Verträge werden von den zuständigen Anwälten noch einmal gecheckt.

Die Rettung ist also trotzdem noch nicht besiegelt?

Das stimmt. Uns fehlt die Gewissheit, dass wir die restliche Saison finanziell abgesichert sind. Dazu brauchen wir wie erwähnt weiterhin die Unterstützung der heimischen Unternehmen. Erst wenn wir die Summe garantiert zusammen haben, kann die Rettung verkündet werden. Wenn alle zusammenstehen, dann geht’s über die Saison hinaus gut weiter. Dafür müssen wir in der näheren Zukunft vielleicht auch kleinere Brötchen backen, dafür arbeiten wir grundsolide.

Haben Sie einen Überblick darüber, welche Posten aus dem alten Jahr aufgelaufen sind und wie hoch die Summe der Altlasten ist?

Nein, den habe ich nicht. Darauf habe ich keinen Einfluss. Es gibt Zahlungsvereinbarungen, das weiß ich. Der geschäftsführende Vorstand haftet dafür, das ist nicht meine Baustelle.

Mit was haben Sie als Geschäftsführer derzeit am meisten zu tun?

Mit der Gründung der GmbH. Jetzt fragen alle mich, wenn etwas ansteht: Ob der Trainer der zweiten Mannschaft oder die Aufgabenverteilung in der Jugend. Ich versuche das Ganze organisatorisch so aufzustellen, dass alle Bereiche abgedeckt sind. Wir haben mit Max Schöber jemanden für das Ticketing gefunden, Harry Pfeiffer kümmert sich um die Ehrenamtlichen, Schiedsrichter und zweite Mannschaft. Frank Petzold ist Fanbeauftragter. Mit Marco Vollhardt als Teammanger sind wir sehr zufrieden.

Wie sieht es mit dem avisierten Umzug der Geschäftsstelle von Linden nach Gießen aus?

Es ist mein Ziel, dass der Umzug ins Waldstadion bis zum ersten Heimspiel vonstatten geht und wir die Geschäftsstelle ins Scheibenhaus verlagern. Ob das die langfristige Lösung ist, werden wir sehen. Wenn das gelungen ist, wenn das erste Heimspiel erfolgreich gelaufen ist, geht es mir besser.

Ist der Job so zeitraubend wie Sie sich das vorgestellt haben?

Wirklich anstrengend war die Phase kurz vor dem Ende der Wechselfrist, als am Mittwochabend der Wechselwunsch von Kevin Nennhuber kam, ich sehr viel Kontakt mit Beratern hatte und wir in sehr kurzer Zeit handeln mussten. Das war, um ehrlich zu sein, hart. Insgesamt ist es derzeit ziemlich viel. Meine Frau und meine Freunde sehen mich momentan deutlich seltener.

Was hat Sie veranlasst, den Job des derzeit kommissarischen Geschäftsführers zu übernehmen?

Ich hatte den Verantwortlichen des SC Teutonia Watzenborn-Steinberg im Regionalligajahr schon mitgeteilt, dass ich mich über den Posten des Teammanagers hinaus gerne engagieren würde - das hat sich damals nicht ergeben, ich wurde dann Sportlicher Leiter beim FSV Fernwald. Als ich zum FC Gießen zurückkehrte, habe ich unter Trainer Daniyel Cimen schon viele Vertragsgespräche geführt. Mir macht das Spaß. Jörg kam dann auf mich zu, sagte mir, dass alle dafür seien, dass ich das neue Gesicht der GmbH werden soll - da habe ich nicht lange überlegt und zugesagt. Kurz darauf kam sein Rücktritt - und so wurde ich kommissarischer Geschäftsführer des FC Gießen. Ich habe mich verpflichtet gefühlt, konnte die Jungs nicht hängen lassen. Ich bin von dem Projekt zu 100 Prozent überzeugt. Sonst würde ich die Zeit nicht investieren.

Welches Verhältnis haben Sie zum Fußball?

Meine Großmutter hatte mich, als ich ein kleiner Junge war, gefragt, ob ich ein Fahrrad für rund 300 D-Mark oder einen Lederball für rund 20 D-Mark haben möchte. Sie können sich vorstellen, wofür ich mich entschieden habe. Ich war nie ein herausragender Fußballer, aber immer mit Leib und Seele dabei. Mit 36 Jahren, als meine erste Tochter kam, habe ich aufgehört. Später habe ich bei den Alten Herren der SG Kesselbach/Odenhausen/Allertshausen gespielt, mein Vater war jahrelang in der Vereinsarbeit tätig. Ich bin mit dem Fußball groß geworden und er ist meine große Leidenschaft geblieben.

Sie hatten einmal gesagt, dass Sie sich nur für die erste Mannschaft des FC Gießen verantwortlich fühlen - hat sich das geändert?

Ja, das ließ sich nicht anders handeln. Ich bin froh, dass wir mit meinem Freund Roger Reitschmidt eine gute Trainerlösung für die zweite Mannschaft gefunden haben. Wenn es nach mir geht, wird die zweite Mannschaft zur neuen Saison eine Art U23, in der viele U19-Spieler stoßen. In der Jugend gibt es derzeit mehrere Konzepte von Trainern. Am Freitag setzen wir uns zusammen und diskutieren über die künftige Ausrichtung. Das Zentrum der Jugend soll auf Sicht in Watzenborn-Steinberg liegen, die erste Mannschaft nur in Gießen trainieren. Wir würden gerne auf den Tennenplatz einen Naturrasen verlegen. Als Alternative stünden der Platz an der Miller Hall und der Kunstrasen der Uni zur Verfügung.

Abschließend: Welche Bedeutung für die Zukunft des FC hat es, ob der Klassenerhalt in der Regionalliga gelingt oder nicht?

Es wäre schön und wir werden alles dafür tun, die Klasse zu halten. Aber es ist nicht überlebensnotwendig für den Verein.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Commerzbank Arena
  • FC Giessen
  • FSV Fernwald
  • Fußball
  • Geldgeber
  • Geschäftsstellen
  • Gesellschaften
  • Hilfe
  • Interviews
  • Jugend
  • Optimismus
  • Roger Reitschmidt
  • SC Teutonia Watzenborn-Steinberg
  • Steuerberater
  • Trennung
  • Zuschauereinnahmen
  • Sven Nordmann
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen