27. April 2020, 21:21 Uhr

»An jeden Strohhalm klammern«

27. April 2020, 21:21 Uhr

Die virtuelle Meisterfeier per Videokonferenz konnte Viktor Szilagyi nicht wirklich genießen, dem Manager des Corona-Meisters THW Kiel gingen ständig die großen Zukunftsfragen durch den Kopf. »Wir dürfen uns vor keinem Szenario, auch wenn es noch so kurios erscheint, verschließen«, sagte Szilagyi letzte Woche. »Wir müssen uns an jeden Strohhalm klammern. Denn ab jetzt geht es in der Liga um Existenzen.«

Wie soll überhaupt die neue Saison geplant werden? Wann dürfen Fans wieder in die Hallen? Wie geht es weiter? Nach dem historischen Saisonabbruch inklusive eines finanziellen Schadens von geschätzt über 20 Millionen Euro in der Handball-Bundesliga sind Szilagyi und Co. mehr denn je als Krisenmanager gefragt. Längst zermartern sie sich auf den Chefetagen den Kopf, wie die Vereine die Corona-Krise überstehen können.

Denn »noch mehr Kopfschmerzen« als die Entscheidung über den Saison-Shutdown »bereiten uns die Planungen für die kommende Saison«, sagt Liga-Boss Frank Bohmann. »Die nächste Saison überleben«, sagt Bohmann, sei »derzeit das vorrangige Ziel.« Der Manager hofft und geht im Moment davon aus, dass »wir ab dem 1. September richtig loslegen können. Aber auch auf andere Szenarien müssen wir uns natürlich vorbereiten«.

Bis Ende August hat die Bundesregierung ja alle Großveranstaltungen verboten, doch wer weiß schon, ob dann wieder der Normalbetrieb aufgenommen werden kann? Das Land Berlin etwa hat ja schon entschieden, dass Events mit mehr als 5000 Personen bis zum 24. Oktober untersagt sind. In die Max-Schmeling-Halle, wo die Füchse Berlin spielen, passen knapp 12 000 Fans. Bayern hat das Oktoberfest abgesagt. Was entscheiden die anderen Länder noch?

Geisterspiele, wie im Fußball geplant, sind für den Handball jedenfalls keine langfristige Option, um das finanzielle Überleben zu sichern. Denn die Klubs generieren einen Großteil ihrer Einnahmen aus dem Ticketing, nicht über die TV-Gelder.

»Jedes Spiel ohne Zuschauer bedeutet einen riesengroßen Verlust«, sagte Szilagyi. Aber dass ab September wieder vor Fans gespielt wird, »sehe ich aktuell nicht als realistisch an«, sagte er. Und dennoch muss die Show irgendwie weitergehen: »Wir dürfen nicht an den Moment kommen, an dem der Handball ein halbes Jahr nicht stattfindet.«

Und genau das ist die Mammutaufgabe, die der Handball zu lösen hat. Dabei dürfte auch die Weltmeisterschaft 2021 in Ägypten in den Fokus rücken: Eine Verschiebung würde der Liga mehr Zeit für die Austragung ihrer Partien geben. »Die Ligen sind die Basis und die Heimat des Handballs. Die Nationalmannschaft ist zwar das Gesicht in Deutschland und in jeder Nation, trotzdem muss man die Ligen unterstützen«, sagt Nationaltorhüter Johannes Bitter. Wenn die Ligen »wegbrechen, funktioniert der Rest auch nicht mehr. Von daher: durchaus denkbar«.

Auch über Spiele vor halbvollen Rängen würden sich die Manager wohl erst einmal freuen, schließlich hatte der Virologe Alexander Kekulé zuletzt im ZDF gesagt: »Ich würde für dieses Jahr nichts mehr planen mit Publikum.«

Bohmann wünscht sich deswegen auch Unterstützung aus der Politik. Der Handball brauche »vielleicht irgendwo die staatliche Unterstützung«, sagte er. Nach dem Saisonabbruch werden die Sorgen jetzt sogar noch einmal größer.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Existenz
  • Fans
  • Füchse Berlin
  • Handball
  • Handball-Bundesliga
  • Johannes Bitter
  • Profihandball
  • THW Kiel
  • Technisches Hilfswerk
  • Videokonferenzen
  • ZDF
  • SID
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben - Ihre Meinung zum Thema ist gefragt


Kommentare werden erst nach einer Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht. Bitte beachten Sie die Netiquette sowie die Hinweise nach dem Absenden Ihres Beitrags.


Überschrift
Meine Meinung





Sie haben noch kein Login? Jetzt kostenlos registrieren.

Registrieren Sie sich kostenlos um Ihren Kommentar abzuschließen:

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet werden und nicht ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben werden.


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 10 x 2: 




Sie sind bereits registriert? Zurück zum Login.