05. Dezember 2018, 08:00 Uhr

Stockheimer Lieschen

Warten auf die Studie

Klarheit zur Zukunft der Niddertalbahn fordern die Main-Kinzig-Bürgermeister entlang der Strecke. Seit 2017 warten sie darauf, dass der RMV die Ergebnisse einer Machbarkeitsstudie vorlegt.
05. Dezember 2018, 08:00 Uhr
Das Stockheimer Lieschen muss ausgebaut werden, doch wie ist unklar. (Foto:Pegelow)

Das Stockheimer Lieschen als S-Bahn oder sogar als U-Bahn? Solch gewagte Visionen prüft der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) in einer Machbarkeitsstudie. Im August 2016 kündigte dies RMV-Geschäftsführer André Kavai an. 2017 wollte er die Ergebnisse vorstellen, wie die 31 Kilometer lange, eingleisige Eisenbahnstrecke von Bad Vilbel via Niederdorfelden, Schöneck, Nidderau und Altenstadt bis Stockheim ausgebaut werden soll. 2019 sollte die Entscheidung fallen. Doch bis heute liegt die Studie nicht vor. »Das geht so nicht«, ist Niederdorfeldens Bürgermeister Klaus Büttner (SPD) sauer. Er und seine Kollegen aus den anderen beiden Niddertal-Kommunen in MKK machen ihrem Ärger nun Luft.

Es gibt Beschwerden

Vielfach hätten sie beim RMV nachgefragt, sagt Schönecks Bürgermeister Conny Rück (SPD). »Aber wir haben nicht einmal einen Zwischenstand erfahren.« Wenn sie das Fahrgästen erkläre, die sich beschwerten, »klingt es immer wie eine Ausrede«. Und Beschwerden gebe es nach wie vor. Zwar scheinen die schlimmen Jahre mit dauerhaft vielen Zugausfällen vorüber zu sein. »Der Verkehr hat sich stabilisiert«, räumt Nidderaus Erster Stadtrat Rainer Vogel (Grüne) ein. Allerdings werden die Züge immer voller. Wenn sie dann noch verkürzt führen, etwa wegen technischer Probleme, müssten Fahrgäste sogar an Bahnhöfen zurückbleiben, erzählt Conny Rück. Das sei für die Kommunen nicht akzeptabel, schließlich zahlten sie viel Geld fürs Angebot auf der Schiene: Nidderau knapp 300 000 Euro pro Jahr, Schöneck 120 000 und Niederdorfelden rund 45 000 Euro jährlich.

Auch die Ausbaustudie zahlen alle Anliegerkommunen sowie die beiden Kreise mit. Im Januar wollen die drei MKK-Stadtoberen diese zu einer Allianz schmieden, um gegenüber RMV und Landesregierung mehr Druck aufzubauen. Denn die Zeit drängt: 2027 endet der Vertrag mit DB Regio zum Betrieb der Strecke. Das ist laut RMV der ideale Zeitpunkt, um ein neues Bedienungskonzept für die Niddertalbahn an den Start zu bringen. Denn der Betrieb des Lieschens mit Dieseltriebwagen ist sehr teuer. Deshalb will der RMV die Bahnstrecke elektrifizieren, um den heutigen, teuren Inselbetrieb mit Dieselfahrzeugen zu beenden. Die Studie soll nun klären, welche Züge ab 2028 dort rollen sollen – und welcher Ausbau dafür nötig ist, zum Beispiel ein zweites Gleis oder Überholbereiche, weitere Brücken, Haltepunkte, längere Bahnsteige.

Zeit wird knapp

Dafür werden wohl auch die Kommunen wieder anteilig zahlen müssen. »Das müssen wir ja auch mittel- und langfristig einplanen«, mahnt Klaus Büttner zur Eile. Schließlich benötigten auch die Entscheidungen samt Diskussionen in den Gemeinden Zeit. Aber: »Wir sind gesprächs- und entscheidungsbereit«, betont Rainer Vogel. Zusätzlich werde das Zeitfenster eng, weil nach der Ausbau-Entscheidung noch die Ausschreibung für die Zeit nach 2027 mit einigem Vorlauf geschehen müsse. »Der künftige Betreiber muss ja auch Fahrzeuge beschaffen«, erinnert Vogel an jahrelange Lieferzeiten. Die Kommunen möchten unbedingt verhindern, dass es wieder wie 2010 keinerlei Gebote gibt. Zusätzlich drängt in den Kommunen das Bevölkerungwachstum. In neuen Wohngebiete erwartet Nidderau weitere 300 bis 400 Einwohner binnen fünf Jahren, Niederdorfelden 800 neue Bürger, Schöneck bis zu 1000 neue Bewohner.

Das Warten könnte immerhin bald ein Ende haben. »Wir gehen davon aus, dass die Studie im ersten Quartal 2019 fertig wird«, erklärt RMV-Sprecherin Vanessa Rehermann. Ursache für die Verspätung seien »Verzögerungen in der Datenzulieferung«. Klaus Büttner hört’s mit Staunen. »Wir haben unsere Daten geliefert«, beteuert er, »aber wir warten schon ewig.«

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