15. Oktober 2019, 20:32 Uhr

»Ich bin auf einem guten Weg«

15. Oktober 2019, 20:32 Uhr

Beim Besuch vor seiner Ausstellungseröffnung hat Helmut Koppe die Exponate über mehrere Räume verteilt, sie aber noch nicht alle gehängt. Ein Porträt Greta Thunbergs hängt neben einem nach einer älteren Zeichnung entstandenen Bild von Jürgen Habermas und einer Zeichnung, die Volker Bouffier und sein Kabinett zeigt. Das Streifenbild »Eifersucht« ist nach dem Foto aus einer Modezeitschrift entstanden und zeigt ein gestyltes Paar, welches von einer dritten Person beobachtet wird und selber abweisend den Betrachter fixiert. Sogenannte Streifenbilder segmentieren das Bild horizontal und sehen aus, als schaue man ein wenig zudringlich durch eine Jalousie mit übergroßen Zwischenräumen zwischen den Lamellen.

Nebeneinander hängen zwölf Selbstporträts nach Fotos: »Die Fotografien habe ich nacheinander in wenigen Minuten aufgenommen und staune darüber, wie verschieden die Stimmung jedes Mal ist.« Sommerlandschaften lassen an verflossene heiße Zeiten denken. Eine Kopie von Rembrandts Nachtwache erweckt aus der Ferne den Eindruck, aus der Nähe werde jedes Detail des Originals zu erkennen sein - doch der Schein trügt.

Turm der Kartons

Koppe beantwortet beim Besuch Fragen zu seiner Arbeit. Ob er im zurückliegenden Jahr selber eine Ausstellung besucht hat? Ja, unter anderem die Tizian- und die Traxler-Ausstellungen in Frankfurt. Ob er vor einem Jahr mit dem Besuch seiner eigenen Ausstellung zufrieden war? Ja, mit etwa 100 Personen seien zwar geringfügig weniger Leute als sonst dagewesen, aber »die Anzahl sagt nichts über das Interesse«. Ob er eine seiner Arbeit als innovatorisch bezeichnen würde? Ja, die zwei Bilder »Turm der Kartons« zeigten eine »herausragende Plastizität«, die wohl auch dadurch bewirkt werde, dass die auf der Fensterbank stehenden Türme in jedem Augenblick umzufallen drohten. Koppe fasst zusammen: »Die Produktion ist gelungen, ich bin auf einem guten Weg.«

Die Ausstellung trägt das etwas sperrige Motto »Bildbegriffmechanik«. Koppe betont, er gehe vorurteilsfrei an jede Arbeit heran, sei »visueller Empiriker« und habe nie dogmatische Absichten verfolgt.

Aus dem Unbewussten

Die Rezeptionsgeschichte hingegen konstruiere eine klare Entwicklung der Kunstgeschichte. Man könne den Kanon durchbrechen, wenn man die erforderlichen handwerklichen Fertigkeiten habe und den geistesgeschichtlichen Hintergrund durchschaue. Er widme sich Begriffen und gehe Sprachgewohnheiten nach. Wo neu gesehen werde, müssten sich neue Begriffe einstellen. In der Praxis heißt dies, dass Koppe ein Bild aus dem Unbewussten malt, das keinesfalls einen Begriff illustrieren soll. Beim Betrachten des Bildes lassen sich Wechselwirkungen zwischen den abgebildeten Elementen erkennen - und möglicherweise auf einen neuen Begriff bringen. Mechanische und organische Einflüsse wirken im Begriffsbild zu einem innovativen Begriff zusammen. Zusammenfassend lässt sich sagen: Der Betrachter kann sehr wohl Vergnügen an den Stillleben, Kopien nach alten Meistern, Landschaften und Porträts empfinden, ohne den theoretischen Hintergrund zu durchschauen.

Helmut Koppe zeigt in seinem Atelier in der Staatsdomäne Nonnenhof vom Samstag, 19. Oktober, bis zum Sonntag, 27. Oktober, täglich von 10 bis 22 Uhr die 120 Malereien und Zeichnungen, die im zurückliegenden Jahr entstanden sind. Die Ausstellung wird am Freitag, 18. Oktober, um 19 Uhr mit musikalischen Darbietungen eröffnet.

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