18. August 2021, 21:35 Uhr

Blockade auf dem Gehweg

Parken auf dem Gehweg ist aus gutem Grund verboten. Wenn ein Auto so steht, dass Passanten nicht mehr vorbeikommen, müssen sie auf die Straße ausweichen - gefährlich nicht nur mit Kinderwagen oder im Rollstuhl. Kommunen im Kreis bieten Kompromisse an, aber nicht überall.
18. August 2021, 21:35 Uhr
legatis_jol
Von Joachim Legatis
Der weiße Pkw ist korrekt auf der Durchgangsstraße in Groß-Felda geparkt, andere Autofahrer müssen ihn umkurven.

Gesetze sollen die Schwächeren schützen, die Stärkeren haben auch ohne sie Möglichkeiten, um ihre Interessen durchzusetzen. Das gilt auch im Straßenverkehr, wie dieser Tage Autofahrer in Feldatal feststellen mussten. Denn die Polizei erinnerte sie mit Bußgeldern daran, dass das Parken auf Gehwegen zum Schutz der Fußgänger nicht erlaubt ist. Das traf auch Anwohner, die schon seit Längerem ihre Fahrzeuge vor der Haustür abstellen, und bislang gab es offenbar keine Probleme. Aber legal ist das nicht.

Zudem komme es immer häufiger vor, dass Autofahrer angesprochen beziehungsweise auch beschimpft werden, wenn sie ordnungsgemäß an der Straße parken, denn sie würden durch ihr Verhalten den Verkehr behindern.

Das Thema ist auch in anderen Kommunen wie Homberg und Mücke bekannt. Dabei versuchen die Kommunen, einen gangbaren Weg zu finden, damit Fußgänger und Autofahrer gefahrlos unterwegs sein können. In Groß-Felda haben die Beschwerden von Autofahrern über Knöllchen der Polizei den Ortsvorsteher erreicht. Arnold Hacke wandte sich deshalb an die Gemeindeverwaltung, um zu erfahren, was zulässig ist. Gemäß Gesetz haben Fahrzeuge die Straße zu benutzen und nicht den Gehweg: »Dieser ist für Fußgänger als benachteiligter Verkehrsteilnehmer da«, wie das Ordnungsamt mitteilt. Das gilt auch beim Parken.

Das Parken auf Gehwegen kann durch Beschilderung erlaubt werden, wenn die Restbreite des Gehweges ausreicht. In der Ermenröder Straße von Groß-Felda ist das Parken auf dem Gehweg erlaubt, in fast allen anderen Straßen nicht.

Parken ist außerdem an »Engstellen« verboten. Bei Straßen, in denen Begegnungsverkehr möglich ist, ist meistens das Parken auf der Straße möglich.

Mehr Mischflächen als Lösung?

Hacke sieht allerdings als Problem bei korrekt abgestellten Fahrzeugen, »dass dann eine Durchfahrt bei Gegenverkehr kaum noch möglich ist«. Hier heißt es dann normalerweise Warten. Es stellten aber Fahrer ihr Auto lieber auf den Gehweg. Fußgänger und Mütter mit Kinderwagen haben dann das Nachsehen. Sie müssen auf die Fahrbahn ausweichen, was gefährlich ist.

Hacke schlägt vor, mehr Straßen zu Mischflächen zu machen. »Das heißt, dass Fußgänger und Autos gleichberechtigt überall fahren und stehen können.« Das geht aber nur, wenn es keine Bordsteine, sondern nur flache Rinnen gibt. In Mücke geht man an die Thematik »mit Fingerspitzengefühl« heran, sagt Bürgermeister Andreas Sommer. Wer auf dem Gehweg parkt und nicht 80 Zentimeter Platz für einen Kinderwagen lässt, der bekommt einen Bußgeldbescheid.

Dabei reagiert die Kommune auf Beschwerden von Bürgern wie in Flensungen. Dann schaut der Hilfspolizist der Gemeinde nach und schreibt ein Knöllchen, wenn ein Fahrzeug den Weg versperrt. Auch im Bereich des Autohofs Gottesrain ist der Gemeindemitarbeiter unterwegs.

»Das wird in der Regel akzeptiert«, da seien Autofahrer einsichtig, sagt Sommer. Die Vorgaben sind eindeutig. Etwas differenzierter geht es in der Ortsmitte Nider-Ohmen zu. Dort sind mehrere Geschäfte, und die Straße ist recht schmal. »Wenn alle Autos nur auf der Fahrbahn stehen, dann kommt keiner mehr durch«, sagt Sommer. Deshalb sind Bereiche markiert, wo Autos teilweise auf dem Gehweg abgestellt werden dürfen. Nur wenn die Fahrzeuge den Fußgängern den Weg versperren, wird auch dort aufgeschrieben.

In Homberg ist kein Hilfspolizist unterwegs, wie Erster Stadtrat Michael Rotter erläuterte. Dort verlässt man sich auf die Polizei. Vor einiger Zeit hatte die Kommune über eine externe Firma einen Hilfspolizisten eingesetzt, das wurde gerichtlich verboten. Bußgelder bei Parkverstößen sind eine hoheitliche Aufgabe und können nicht an eine Firma delegiert werden, so Rotter. Leider gebe es immer wieder rücksichtslose Fahrer, die den Wagen so abstellen, dass Fußgänger und Menschen mit einem Elektro-Rollstuhl nicht vorbei kommen. Die müssten dann über eine hohe Bordsteinkante auf die Fahrbahn.

Er appelliert an die Vernunft der Autofahrer, lieber 50 Meter weiter zu fahren und dort ordungsgemäß zu parken. Immer wieder sehe er, »dass Leute gerne direkt vor einem Geschäft ihren Wagen abstellen, um nicht ein paar Schritte zu Fuß gehen zu müssen«. Das sei problematisch, wenn der Gehweg zugeparkt wird. An schmaleren Straßen sind Kompromisse möglich. So sind an der Frankfurter Straße die Bereiche markiert, an denen der Gehweg beim Parken mitgenutzt werden darf.



0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos