19. Oktober 2020, 07:40 Uhr

Schule

Neue Mücker Schulleiterin über Unterricht in Corona-Zeiten

Heute geht in Hessen die Schule wieder los. Die neue Leiterin der Gesamtschule Mücke, Esther Becker, erläutert, weshalb Corona modernen Unterricht erschwert.
19. Oktober 2020, 07:40 Uhr
Im Gebäude mit Mundschutz unterwegs: Die neue Schulleiterin der Gesamtschule Mücke, Esther Becker. FOTO: JOL

Nach drei Jahren als Stellvertreterin ist Esther Becker vor kurzem aus dem Schatten von Schulleiter Gustl Theiß hervorgetreten. »Der größte Unterschied zur bisherigen Arbeit ist, dass der Schulleiter weitreichende Verantwortung trägt«, bislang konnte sie auch einmal Entscheidungen weitergeben, sagt Becker über ihre neue Aufgabe. So liegt die Organisation des Schulbudgets weitgehend bei ihr. Das umfasst immerhin 50 000 Euro jährlich, zusätzliche Mittel gibt es für die Nachmittagsbetreuung.

So wurde sie in diesen unsicheren Coronazeiten Schulleiterin, sieht aber trotz der Herausforderungen die Aufgabe positiv. Es reizt sie, mehr Verantwortung zu tragen. »Man muss gerne entscheiden und gestalten wollen«, sagt die gelernte Lehrerin für Sport und Französisch. Dabei geht es ihr darum, Spielräume »für guten Unterricht auszuloten, um die Schule weiterzubringen«.

Das wichtigste sei, guten Unterricht und ein Maß an Erziehung für die Jungen und Mädchen anzubieten. »Wir wollen die Jugendlichen alltagstauglich machen, sie sollen nach der Schulzeit ihr Leben selbstständig meistern können«.

Ein wichtiger Baustein ist die Vorbereitung auf das Berufsleben. Das nimmt immer größeren Raum in Schulen ein. Ziel ist es, Jugendliche so zu qualifizieren, dass sie eine Ausbildung oder ein Studium bewältigen. Hierfür kann man den Unterricht jedes Jahr ein bisschen verändern, denn die neuen Aufgaben werden zu den alten Inhalten hinzu gepackt. »Man kann nicht den Unterricht sofort umkrempeln«, sagt Becker. So kann man im Deutschunterricht einen Klassiker weglassen und dafür mehr Zeit für das Schreiben eines Bewerbungsbriefs aufbringen.

Zur Berufsorientierung hat die Gesamtschule ein Konzept, das besonders auf Fächer wie Arbeitslehre, Deutsch sowie Politik und Wirtschaft (PoWi) abhebt. Damit ist die Mücker Gesamtschule seit Jahren erfolgreich. Die oft geforderte Digitalisierung des Unterrichts wird in Mücke schon eine Weile umgesetzt. So gibt es sechs Klassen, deren Schüler mit iPads lernen. Für eine weitere Klasse läuft die Vorbereitung hierfür. Digitale Technik »ist hilfreich, aber nicht immer besser«, sagt Becker. Sie müsse mit gesundem Menschenverstand eingesetzt werden. So arbeitet sie im Französischunterricht seit zehn Jahren mit einer digitalen Tafel, dem »Whiteboard«. Das ist praktisch, weil Texte aus dem Buch projiziert sowie Lieder abgespielt werden können. Doch immer wieder ist es sinnvoll, die Schüler von Hand schreiben zu lassen. »Das Schreiben mit der Hand hilft beim Lernen der Wörter«, ist die Pädagogin überzeugt. Deshalb hat sie die Erfahrung gemacht, dass es sinnvoll ist, beide Medien zu nutzen.

Was die Medienkompetenz angeht, ist die Schule ebenfalls aktiv. Die Kinder sind vertraut mit dem Umgang von Smartphones, doch was darüber hinaus geht, ist Teil des Unterrichts. In den Klassen, die ohne Tablets auskommen, wird das in der Mediathek geleistet. Dabei setzt die Schule für die iPad-Klassen auf Freiwilligkeit. Nur wenn der Großteil der Eltern mitmacht, kann die Klasse umgestellt werden. Immerhin kosten die Geräte mit Zubehör 500 Euro, »das ist viel Geld«. Doch gerade die Corona-Zeit mit Distanzunterricht hat vielen Eltern vor Auge geführt, wie sinnvoll eine gute Anbindung an die digitalen Inhalte der Schule ist. Die Schule bietet auch Leihgeräte an, wenn nötig.

Corona-Schutz hat Folgen für den Unterricht, was Becker schwierig findet. Denn in den letzten Jahren sind die Lehrkräfte vom Frontalunterricht weggekommen, so lernen Schüler in Kleingruppen, die im Schulgebäude selbst recherchieren. Das sei nun bedauerlicher Weise eingeschränkt. Ein Thema, das Becker noch besonders am Herzen liegt, ist der Kulturaustausch. Sie hat selbst zeitweilig in Frankreich gelebt und findet es wichtig, dass Jugendliche die Vorteile Europas vor Ort erfahren.

Es gibt einen Austausch mit einer Partnerschule in Charlesville-Mèziers. Im Vorjahr war eine Gruppe in Großbritannien. »Es ist wichtig, über die Grenzen zu gehen und andere Kulturen kennenzulernen, das finde ich spannend«, sagt Becker. Sobald es wieder möglich ist, will sie das mit dem Kollegium angehen.

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