17. September 2020, 21:33 Uhr

»Streit hat bundesweit Bedeutung«

17. September 2020, 21:33 Uhr
Unterstützung für Aktivisten: BUND-Vertreter Wolfgang Dennhöfer, Jörg Nitsch, Olaf Bandt (Bundesvorsitzender) und Thorben Becker (v. l.) schauen sich Baumhäuser im Dannenröder Wald an. FOTO: H. JENSEN/BUND

Bei seinem Ortstermin bekam der Vorsitzende des Naturschutzverbands BUND, Olaf Bandt, am Mittwoch gleich einen sehr lebhaften Eindruck vom laufenden Konflikt zwischen Autobahnbau und Naturschutz. Denn am gleichen Tag räumte die Polizei Barrikaden von Wegen und traf auf den Widerstand der Baumbesetzer im Dannenröder Wald (die Alsfelder Allgemeine Zeitung berichtete).

»Dass wir hierher eingeladen haben, verstehen wir auch als ein Zeichen der Wertschätzung für die Menschen, die sich hier mit so viel Engagement für den Erhalt dieses besonderen Waldes einsetzen«, sagte er beim Besuch.

Neue Planung braucht Zeit

Damit schaltet sich nun der Bundesvorstand der Naturschutzorganisation in die Debatte um die geplante Rodung ein. Bislang war der BUND Hessen aktiv, so bei einem Gerichtsverfahren, das keinen Baustopp brachte.

Bandt kritisierte, dass »ein mehr als 250 Jahre alter Laubmischwald für einen verkehrspolitischen Planungsdinosaurier geopfert werden soll«. Der Bau von Autobahnen und Bundesstraßen in großem Stil sei angesichts der Klimakrise und des Artensterbens falsch. Der BUND startete eine Unterschriftensammlung zur Rettung des Waldes und kündigte Aktionen gegen die Rodungen an. Ingesamt sollen mindestens 25 000 Protestmails an die politisch Verantwortlichen gesandt werden.

Der Autobahnneubau muss insgesamt auf den Prüfstand, fordert Bandt. Es brauche endlich eine klima- und naturgerechte Verkehrspolitik. Der BUND fordert die Bundesregierung auf, »ihre Infrastrukturplanung an Klima-, Natur- und Umweltschutz auszurichten«. Eine zukunftsfähige Mobilitätsplanung mit einem besseren ÖPNV statt noch mehr Straßen sei ein wichtiger Teil öffentlicher Daseinsvorsorge. Die Bundesregierung müsse bei der Planung von Fernstraßen auf Klimaschutz achten und für eine Mobilitätswende sorgen. Bund und Land müssten mit dem Verzicht auf den Weiterbau der A 49 ein erstes, starkes Zeichen setzen.

Jörg Nitsch, Landesvorsitzender des BUND Hessen und BUND-Waldexperte, verwies darauf, dass nur noch jeder fünfte Baum gesund ist. »In vielen Regionen Deutschlands brechen ganze Waldbestände infolge von Hitze, Dürre und Stürmen zusammen.« Wer Wälder für Straßen roden lässt, habe den Ernst der Lage nicht erkannt. Wolfgang Dennhöfer vom BUND Vogelsberg fordert, der Dannenröder Wald müsse unbedingt vor Rodungen und der Zerschneidung bewahrt werden. Ansonsten werde eine besondere Lebensgemeinschaft von Tieren, Pflanzen und Pilzen vernichtet. Das sei auch wichtig mit Blick auf den alarmierenden Rückgang der Insektenpopulation und zum Schutz des Grundwassers. Im Wald zwischen Dannenrod und Lehrbach zeige sich deutlich, wie Klimaschutz, Artenschutz, Schutz des Wasser und der Einsatz zusammenhängen. Inzwischen sei sehr deutlich, »dass dem Streit um den Dannenröder Forst eine bundesweite Bedeutung zukommt«. Die Planung für eine Verkehrspolitik ohne Naturzerstörung brauche aber Zeit. Dafür brauche es ein Moratorium des Autobahnbaus.

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