22. April 2020, 21:51 Uhr

Modehändler hilft der Tafel

22. April 2020, 21:51 Uhr
Frank Galfe im Gespräch mit Regierungspräsident Dr. Christoph Ullrich. FOTO: RP GIESSEN

Sein Metier ist ansonsten die große Mode. Er kennt sich aus auf den Laufstegen in Paris, Mailand oder Berlin: Frank Galfe, der Modeschöpfer und Textileinzelhändler aus dem Vogelsberg. Bekannt ist er für viele mit seinem Modegeschäft in der Alsfelder Schellengasse, seinem Modeatelier im Alten Güterbahnhof oder der Eventlocation. Seit Corona sind die Türen aber geschlossen.

Dahinter geht es aber weiter. Frank Galfe und sein Team vom Modehaus Campus haben es sich zum Ziel gesetzt, die Tafel zu unterstützen und in einer schweren Zeit solidarisch zu helfen.

»Als ich davon gelesen habe, dass das Modehaus von jedem verkauften Gutschein dreißig Prozent an die Tafel weitergibt, musste ich mehr erfahren«, sagt Regierungspräsident Christoph Ullrich. »Wir wollen den Fokus auf diejenigen legen, die trotz aller Schwierigkeiten Mut machen und nach vorne blicken.«

Im Modehaus von Frank Galfe gibt es die großen internationalen Designermarken. Man findet aber auch die Marke »Geschwister Galfe«. Das sagt viel über den Inhaber aus: Er ist eng mit seiner Heimat verbunden. Seit rund eineinhalb Jahren ist er mit seiner Schwester auch als Modeschöpfer tätig. Alles ist regional. Schnitte und Designs machen sie selbst. Die Stoffe werden im Vogelsberg gewebt und verarbeitet.

Erst mal den Laden abschließen

Corona schlug dann auch hier zu. Galfe musste seinen Laden abschließen. »Es war erst einmal ein Schlag für mich und das Team. Viele Fragen haben sich gestellt: Wie geht es weiter und vor allem wann?«, so Galfe. Ihm war jedoch schnell klar, dass es Menschen gibt, denen es jetzt noch schlechter geht. »Kurz vor der Schließung habe ich in meinem Laden noch mit jemandem von der Alsfelder Tafel gesprochen.

Viele der Helfer sind über 60 und gehören damit zur Risikogruppe. Die Räumlichkeiten der Tafel lassen die derzeit geltenden Abstandsregeln nicht zu und die Spenden des Lebensmitteleinzelhandels sind aufgrund der gestiegen Nachfrage fast komplett ausgefallen.«

Wer einmal mit Galfe gesprochen hat, merkt, dass er nicht nur kreativ ist, sondern auch großen Anteil am sozialen Miteinander nimmt. Für ihn und sein Team war und ist die Lage auch nicht einfach, doch man wollte helfen. Auch wenn in den vergangenen Wochen kein Verkauf stattfand, ist er jetzt wieder gestartet. Galfe und sein Team kamen auf die Idee, Gutscheine zu verkaufen und damit Gutes zu tun. »Von jedem Euro unserer verkauften Gutscheine geben wir dreißig Prozent solidarisch an die Tafel weiter«, sagt der Vogelsberger Modeschöpfer.

»Die Margen sind auch bei uns nicht groß. Aber wir wollen helfen. Und vor allem: Mit dem jetzt geschaffenen Umsatz haben wir eine Perspektive für das Team. Sie sehen, es geht weiter nach Corona.«

Im Güterbahnhof sind die Räumlichkeiten so großzügig, dass man dort eine Lebensmittelausgabe unter Einhaltung der notwendigen Abstände organisieren konnte. Der Umsatz reichte aus, um Lebensmittel in den erforderlichen Mengen einzukaufen.

Im Hersfelder Großmarkt SB Union, dessen Umsätze durch zahlreiche Gastronomieschließungen zurückgegangen sind, fand man einen Partner, sagt Galfe. »Uns wurde ein wahnsinniger Rabatt eingeräumt. Die Marktleiterin war so erfreut und gerührt über den Umsatz, den wir für die Tafel gemacht haben, dass sie persönlich auch noch etwas gespendet hat.«

Zweimal 200 Menschen versorgt

Das Angebot kam so gut an, dass bereits zweimal eine Ausgabe für die Tafel durchgeführt werden konnte: Jedes Mal für rund 200 Bedürftige. »Deutschlandweit waren wir die erste Tafel, die wieder eine Ausgabe organisiert bekam. Wir waren sogar schneller als die Kölner Tafel«, freut sich Frank Galfe. Es entstanden nun auch noch modische Mundschürzen, die als Schal getragen werden und im Bedarfsfall sowohl als Mundschutz als auch beim Einkauf als Schutz für die Hände am Einkaufswagen dienen. Auch vom Verkauf dieser Waren geht ein Teil an die Tafel. »Die Banken haben den ortsansässigen Textileinzelhandel leider abgeschrieben. Der Zugang zu Krediten ist für unsere Branche äußerst schwer.«

Umso dankbarer sei man für das Soforthilfeangebot von Bund und Land, erzählt er im Gespräch mit RP Ullrich. »Das ist nicht viel. Aber es hilft. Ich will mein Geschäft aufrechterhalten und meine Mitarbeiter weiter bezahlen. Wir sind sehr dankbar für diese schnelle und unbürokratische Hilfe.« In Alsfeld wird das Team vom Modehaus weiter die Köpfe zusammenstecken und diese rauchen lassen. »Ich glaube fest daran, dass wir einen Weg aus der Krise finden, wenn man mit dem Herzen dabei ist. Irgendwann werden diese Synergien auch monetär sichtbar«, ist sich Galfe sicher. Das Interesse an dieser Aktion war groß. Fürs Wochenende hatte sich die Hessenschau zu Dreharbeiten angekündigt.

»Unsere Region und ihre Menschen machen mich immer wieder sprachlos«, sagt der Regierungspräsident angesichts dieses außergewöhnlichen Engagements. »Gerade ist eine Zeit, in der wir uns trotz aller Schwierigkeiten auf gemeinsame Werte besinnen. Ich hoffe, dass sich in der Zukunft einiges von diesem Geist erhält.«

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