24. Januar 2020, 08:25 Uhr

Rentner

Rentner wollen in Alsfeld gegen Altersarmut protestieren

Wenig Rente, Armut im Alter: ein wachsendes Problem. Die Initiative »Menschen gegen Altersarmut« ruft deshalb am heutigen Freitag auf dem Marktplatz in Alsfeld zur Demo auf.
24. Januar 2020, 08:25 Uhr
Wenn im Alter wenig im Geldbeutel ist: In Alsfeld wird heute zur Mahnwache gegen Altersarmut aufgerufen. FOTO: SCHEPP

Es wird keine großen Ansprachen geben am heutigen Freitag. Stattdessen soll zwischen 16 und 17 Uhr mit einer stillen Mahnwache auf das Thema Altersarmut aufmerksam gemacht werden. Unklar ist, wie viele Menschen dem Aufruf folgen werden. Bundesweit haben sich etliche der Kampagne »Fridays gegen Altersarmut« angeschlossen, die aber inzwischen in Verruf geraten ist, weil ihr Verbindungen in die rechte Szene nachgesagt werden. Davon grenzt sich der Mitorganisator der Alsfelder Mahnwache, Ingo Schwalm, deutlich ab. Für den bekennenden Gewerkschafter ist das eine Selbstverständlichkeit: »Wir gehen auch über die Forderungen dieser Gruppierung hinaus und werden konkreter«. Am 28. März will der Sozialverband VdK in München eine bundesweite Kundgebung gegen Altersarmut organisieren.

?Was fordert »Menschen gegen Altersarmut«?

Zentrale Forderung ist, dass die Rente bei 75 Prozent des letzten Einkommens liegen soll. Der Durchschnitt in der Europäischen Union liegt bei rund 70 Prozent, Deutschland liege mit 48 Prozent deutlich darunter, sagt Schwalm. Er wendet sich auch gegen eine doppelte Besteuerung. Rentner hätten früher auf ihr Gehalt bereits Steuern gezahlt. So dürften von den Betriebsrenten, die viele Menschen erhalten, nicht noch Kranken- und Pflegebeiträge angezogen werden. Zudem sollten in die Rentenkasse auch Beamte und Politiker einzahlen.

?Wie ist die Lage im Vogelsbergkreis?

Das Thema Altersarmut beschäftigt Schwalm seit vielen Jahren. Als Mitarbeiter der psychiatrischen Ambulanz besucht er seit 20 Jahren Menschen zu Hause. »Täglich bin ich mit Altersarmut konfrontiert und immer mehr ältere Menschen sind auf die Tafel angewiesen«, kritisiert er. Es könne nicht sein, dass sich Ältere extrem einschränken, um den normalen Lebensunterhalt zu sichern.

?Was ändert die Grundrente an der Situation?

Die neue Grundrente bringt laut Schwalm keine große Änderung. Bislang liege sie bei 800 Euro, nun sollten diejenigen, die jahrzehntelang gearbeitet haben, einen Zuschlag von 80 Euro erhalten. Das sei deutlich zu wenig in einem reichen Land, kritisiert der Gewerkschafter.

?Warum sich die Alsfelder Gruppe von »Fridays gegen Altersarmut« abgrenzt.

Von der Facebook-Gruppe »Fridays gegen Altersarmut« mit über 300 000 Mitgliedern distanziert sich der Alsfelder Zusammenschluss. Die schwierige Lage vieler alter Menschen sei ein Thema jenseits der Ökologiewelle, an die man sich mit dem Begriff »Fridays« anlehne. Klimawandel sei ein wichtiges Thema, betont Schwalm. Aber die Alsfelder wollten nicht »auf der Öko-Welle reiten«. Zudem hat Schwalm nach Recherchen große Bedenken gegen den Initiator der Facebook-Gruppe. Experten und Verbände warnen, dass extrem Rechte die Gruppe unterwandert haben.

?Wie ist die Resonanz auf den eigenen Aufruf?

Die Vorbereitungsgruppe hat in den vergangenen Monaten gemischte Erfahrungen mit ihrer Diskussionsgruppe bei Facebook gesammelt. »Wir haben die Gruppe wieder gelöscht, weil sie unterwandert wurde. Wir wollen keine Leute, die sich fremdenfeindlich äußern«, sagt Schwalm. Inzwischen wurde sie unter dem Namen »Menschen gegen Altersarmut« wieder eröffnet, die Gruppe hat aktuell 72 Mitglieder. Zu den Unterstützern gehören unter anderem auch der frühere Alsfelder Bürgermeister Herbert Diestelmann und Pfarrer Henner Eurich. Es nach Angaben von Schwalm viele Anfragen von Leuten gegeben, die das Thema umtreibt, die sich aber am Umfeld der »Fridays-Gruppe« stören. Das hat Schwalm und die Mitstreiter darin bestätigt, an einer eigenen Aktion zu arbeiten.

?Wie geht es mit der Gruppe in Alsfeld weiter?

Zunächst hoffen die Initiatoren auf möglichst viele Teilnehmer der heutigen Mahnwache auf dem Marktplatz von Alsfeld. Dann will man alle 14 Tage weitermachen und die eigenen Forderungen an die Öffentlichkeit bringen. Bis Ende März soll das geschehen, so der Plan. Dann ist in München eine Sitzung der Rentenkommission, die Vorschläge zur Zukunft der Altersabsicherung erarbeiten soll.

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