15. Januar 2020, 22:03 Uhr

Wolf im Vogelsbergkreis

Andere Länder legen Obergrenzen fest

15. Januar 2020, 22:03 Uhr
Ein Wolf schaut hinter einem Baum hervor. FOTO: DPA

Betreff: Leserbrief »Bitte bei der Wahrheit bleiben« in der Alsfelder Allgemeinen Zeitung vom 28. 12. 2019, Seite 19

Normalerweise reagiere ich nicht auf einen Leserbrief, der solch unsachliche Anwürfe und teilweise Beleidigungen und Unterstellungen enthält, aber ich fühle mich von der Überschrift »Bitte bei der Wahrheit bleiben« herausgefordert. Soll damit allen, die ein Problem mit der rasanten Vermehrung der Wölfe und den Konsequenzen sehen, unterstellt werden, dass diese lügen?

Der Wissenschaftliche Dienst des Deutschen Bundestages schreibt bereits 2018 in einer Dokumentation u. a.: »Es gibt keinen Zweifel daran, dass ein großer Teil der »Angst vor Wölfen« eine direkte Angst um die persönliche Sicherheit ist, und die oben genannten Berichte zeigen, dass diese Angst bis zum gewissen Grad auch berechtigt ist.«

Immerhin sehen auch die drei renommiertesten Wissenschaftler dies genauso und warnen eindringlich vor den Folgen eines ungebremsten Zuwachses. Aber seit das Zauberwort »Ökologie« in die Gesellschaft Einzug erhalten hat, wurde quasi über Nacht ein Heer von Sachkennern geboren, das auch ohne Erfahrung oder/und entsprechende Ausbildung glaubt, alles zu wissen. Da kann es schon mal vorkommen, dass Meinung mit Wahrheit und Behauptungen mit Fakten verwechselt werden.

Fest steht, dass sich in Deutschland bereits ein Wolfsbestand etabliert hat, der weit über dem liegt, was in anderen europäischen Ländern als Gesamtbestand zugelassen wird. Im Nachbarland Frankreich ist beispielsweise die Obergrenze von 500 Wölfen festgelegt. Schweden - im Vergleich mit Deutschland etwa 25 Prozent größer aber mit einer Bevölkerungsdichte von weniger als zehn Prozent - hat eine Obergrenze von 270 Tieren festgelegt.

Bleiben wir bei dem Punkt »Wahrheit«. Die eine Wahrheit lautet, dass Anfangs immer behauptet wurde, der Wolf sei ungefährlich, und er sei so scheu, dass die Menschen ihn überhaupt nicht bemerken würden. Dann stellte sich heraus, dass der Wolf plötzlich tagsüber in Dörfern herumläuft und Kindergärten umstreift. Nachdem sich diese »Wahrheit« als falsch herausgestellt hatte, war der Wolf plötzlich nur »neugierig«. Aber sind die Menschen, die aus Angst vor dem Wolf und aus Sorge um ihre Kinder einen Kindergarten schließen Lügner, oder haben die gelogen, die über Nacht ihre Propaganda umgekrempelt haben?

Der Vergleich von Ministerin Hinz zwischen Totgeburten und Rissen macht deutlich, dass man mit allen Mitteln an der grünen Wolfspolitik festhalten will. Diese Argumentation ist aber ein Armutszeugnis für eine Ministerin, die einen zusätzlichen Schaden durch Wolfsrisse damit rechtfertigen will.

Im Übrigen ist dieser Vergleich das, was man im Volksmund schon einmal als »Milchmädchenrechnung« bezeichnet. Hier wird mit landesweiten Zahlen operiert, wenn jedoch der Wolf oder ein Rudel in eine Schafherde einfällt, sind zwischen zehn und über 30 tote und eine Reihe schwer verletzter Schafe ein Problem, das nicht ganz Hessen, sondern einen einzelnen Schafhalter betreffen würde. Auch dies sind Fakten, die man nicht gerne hört, die aber längst belegt sind. Noch nicht in Hessen, aber die Entwicklung beginnt hier ebenso wie in anderen Bundesländern.

Was nun den Ruf nach Technik angeht, so lehnt sich Hessen an die Kriterien von Sachsen an: »Mindestens 90 cm hohe, stromführende Elektrozäune (Euronetze oder 5-Litzenzäune, mind. 2000 Volt) oder mindestens 120 cm hohe, feste Koppeln aus Maschendraht, Knotengeflecht oder ähnlichem Material, mit festem Bodenabschluss…«

Längst gibt es jedoch eine zunehmende Anzahl von Vorfällen, dass Wölfe Zäune von 120 Zentimeter Höhe und mehr leicht überspringen. Das liegt nicht an den Versäumnissen der Geschädigten, sondern einzig und allein an der Lernfähigkeit des Wolfes.

Helmut Nickel, Grünberg

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