06. August 2019, 22:08 Uhr

Im Interkulturellen Dialog

06. August 2019, 22:08 Uhr
Dieses Werk von Andreas Walther hat er bereits in Gießen ausgestellt. Es ist nun auch im neuen Katalog abgebildet. (Fotos: dkl)

Der Gießener Künstler Andreas Walther pendelt seit 20 Jahren zwischen Deutschland und Taiwan. Seit seinem ersten Aufenthalt 2001 kümmert er sich um den Austausch zwischen den Bildkulturen, zwischen der christlich geprägten Kunst Europas und der vom Daoismus geprägten Kunst Ostasiens. Dafür lernte er 2003/04 Chinesisch. Seither kuratiert er Ausstellungen in beiden Ländern und ist bestrebt, in seinem Kunstschaffen beide Weltsichten zueinander zu bringen.

Ab Herbst 2017 war er für ein Jahr im Taipei-Space, als Artist-in-Residence in einer Wohnung im Norden von Taipei. Er holte Kunstschaffende und Kunstinteressierte, chinesische wie europäische, dorthin. Es gab kleinere Ausstellungen, Vorträge und Gespräche, alles wurde über das Internet auch nach Deutschland kommuniziert. Das Goethe-Institut initiierte zwei Ausstellungen mit seinen Werken. Die zweite, größere Schau fand im Museum of Contemporary Arts Taipei statt. Dazu ist aktuell ein ästhetisch ansprechender Begleitkatalog im Kerber-Verlag erschienen (ISBN 978-3-7356-0614-3, 38 Euro). Die Texte sind auf deutsch und chinesisch abgedruckt, eine englische Version gibt’s online als Download.

Der Titel »Vom Wandern im Offenen« spiegelt Walthers künstlerische Arbeit und den interkulturellen Dialog zwischen Europa und Ostasien. Ausgehend von seinem Studium der Medienkunst und Medientheorie (Bremen, Köln) hat er sich in die daoistische Kultur vertieft, die ihn zu einem ganz eigenen Umgang mit der digitalen Fotografie und in seinen Videoarbeiten inspirierte.

Auf den ersten Blick erkennbar ist der Bezug zur chinesischen Landschaftsmalerei. Stille und Momenthaftigkeit spiegeln den überindividuellen Charakter von Natur. Die Haltung des Künstlers ist von meditativer Ruhe geprägt. Es geht nicht um spektakuläre Motive, sondern um Atmosphäre und Verdichtung, nicht um schnell wechselndes Licht- und Schattenspiel, sondern - zumindest in den neuen Arbeiten - um das Leuchten aus dem Dunkel heraus. Die Zeit scheint stillgestellt, der Moment erlangt durch die künstlerische Wahrnehmung Ewigkeitscharakter. Das wird auch als gesteigerte Empfindung im Augenblick bezeichnet und erinnert durchaus an die deutsche Romantik. Im ostasiatischen Kulturraum geht es um das Zurücknehmen des Selbst, was auch in der Zen-Meditation und philosophischen Abhandlungen angestrebt werde. Dies schreibt Yuki Pan, Direktorin des Museum of Contemporary Arts in Taipei (MoCA), in ihrem Katalogbeitrag. Andreas Walther findet dafür einen ganz eigenen künstlerischen Weg.

Ausstellung im KiZ

Andreas Walthers Bilder sind ab 13. September im städtischen Kunstraum KiZ (Kongresshalle) zu erleben. Dazu kommen Arbeiten der chinesischen Künstlerin Jiang San-shi, die Walther bereits 2014 beim Neuen Kunstverein mit ihrer besonderen Landschaftsmalerei vorstellte. Auch sie bringt östliche und westliche Kunst in ihrer Kunst zusammen.

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