11. Oktober 2019, 22:26 Uhr

Zahl der Opfer bleibt im Dunkeln

11. Oktober 2019, 22:26 Uhr
Löffler

Von 1618 bis 1648 tobte in Europa der Dreißigjährige Krieg. Einen Blick auf die Geschehnisse rund um Freienseen in dieser Zeit warf nun der Lokalhistoriker Rolf-Jürgen Löffler. Bildgestützt und deziediert schilderte der ehemalige Geschichtslehrer die Entwicklung im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nationen nach der Kirchenreformation, die schließlich zum Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges führte.

Löffler ordnete den Dreißigjährigen Krieg als den drittschlimmsten Krieg im deutschen Raum nach dem Ersten und Zweiten Weltkrieg ein. Die Hauptursachen für diesen Krieg im Mittelalter hätten anfangs in den religiösen Auseinandersetzungen nach Luthers Wirken gelegen. Die Gegenreformation nach 1555 habe den Konflikt verschärft. Ab 1608 begannen die religiösen Auseinandersetzungen zu eskalieren, um dann 1618 in einen militärischen Konflikt zu münden.

Im Verlauf des Krieges seien die eigentlich religiösen Ursachen von säkularem Machtstreben einiger Nachbarländer überlagert worden, erklärte Löffler. Alle Herrschaftshäuser im europäischen Raum waren bestrebt, aus dem Krieg den größtmöglichen Nutzen für ihre Herrschaftsansprüche herauszuholen. Österreichische Habsburger, Schweden, Dänen, Niederländer, Spanisch-Habsburger und Franzosen marschierten in den deutschen Raum ein, um ihre geografischen Herrschaftsansprüche durchzusetzen. Auf deutschem Gebiet gab es damals 1372 Herrschaftsgebiete.

Die zivilen und militärischen Grausamkeiten nahmen im Verlauf des Krieges immer mehr zu. Wie viele Menschen im mittelhessischen Raum dabei umkamen, könnten höchstens die Aufzeichnungen in alten Kirchenbüchern an den Tag bringen - soweit erhalten. Löffler sagte, dass die Orte Wetterfeld und Freienseen nicht unmittelbar von den Kriegswirren betroffen waren. Zwar lieferten sich die feindlichen Heere manche Scharmützel, insbesondere die Österreicher und Schweden. Doch die Freienseener flohen in die Wälder.

Erst eine allgemeine militärische, finanzielle und menschliche Erschöpfung zwang die Teilnehmer nach 30 Jahren Krieg zu Friedensgesprächen. Die Gewaltexzesse wirkten noch lange nach und das Verrohungspotenzial war ebenso bei vielen Menschen noch lange zu finden, sagte Löffler. Ökonomisch und gesellschaftlich waren die Folgen für den deutschen Raum beträchtlich. In den am schlimmsten betroffenen Gebieten wirkte sich der Bevölkerungsrückgang und Verlust wirtschaftlicher Kraft noch 200 Jahre lang aus. (Foto: dis)

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