19. November 2018, 05:00 Uhr

Benefizkonzert

»Jazz für den Frieden« in Laubach

Mit »Jazz für den Frieden« setzte die Friedenskooperative Grünberg-Laubach-Mücke einen herzerwärmenden Gegenakzent zum aufkommenden Winter. In Laubach kamen Jazzfans auf ihre Kosten.
19. November 2018, 05:00 Uhr
Stargast Andreas Schickentanz (4. v. r.) und die Laubach Jazz Formation mit (v. l.) Andreas Müller, Detmar Hönle, Sigrun Bepler, Günter Weißer, Johannes Langenbach, Michael Will und Benjamin Kolloch. (Foto: usw)

Jedes Jahr setzt die Friedenskooperative Grünberg-Laubach-Mücke einen herzerwärmenden Gegenakzent zum aufkommenden Winter. Mit »Jazz für den Frieden« leistet man seit Jahren Unterstützung für humanitäre Organisationen. Im Rathaussaal lieferten am Freitag die Laubach Jazz Formation und die Schulband der Friedrich-Magnus-Gesamtschule eine abwechslungsreiche musikalische Grundlage. Zusätzlich informierten Vertreter der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte und der Hilfsorganisation Mission Lifeline.

 

Herausragender Stargast

 

Die Laubach Jazz Formation eröffnete den Abend. Mit Detmar Hönle (Querflöte), Benjamin Kolloch (Gitarre), Johannes Langenbach (Schlagzeug), Andreas Müller (Klavier), Günter Weißer (Tenorsaxofon) und Michael Will (Kontrabass) sowie Sängerin Sigrun Bepler waren sie sehr gut aufgestellt. Stargast war der Kölner Posaunist Andreas Schickentanz. Er studierte an der Staatlichen Musikschule Köln bei Jiggs Whigham (trat 1999 beim Friedenskonzert in Laubach auf) und produzierte CDs mit WDR und BR.

Das sehr engagierte Ensemble lieferte einen ausgeglichenen, ansprechenden Klang und glänzte mit überwiegend hörenswerten Soli. Bepler war gut disponiert und überzeugte mit ihrer verbindlich ausdrucksvollen und sehr ausgewogenen Stimme. Ebenso hörenswert war die Arbeit von Posaunist Andreas Schickentanz. Der fügte sich in der Begleitung auch inhaltlich fugenlos ins Ensemble, doch die Überraschung waren seine Soli: Schickentanz glänzte mit swingend melodiösen, sensibel formulierten und ganz entspannten Beiträgen, frei von jeder exhibitionistischen Intention und mit vorbildlicher Werkorientierung. Zudem konnte man ausgesprochen warm klingende Saxofonbeiträge hören – eine motivierte, erfahrene Band ohne nennenswerte Abnutzungserscheinungen.

 

Aufwühlender Tatsachenbericht

 

Vorstandsprecher Martin Lessenthin von der IGFM gab einen kurzen Überblick über die humanitäre Lage in Teilen Afrikas und anderswo. »Wir betreuen Flüchtlinge«, umriss er seine Arbeit. In den Heimatländern, aus denen Menschen flüchten, schafft die Gesellschaft Gelegenheiten zur Bildung. »Ohne Bildung keine Zukunft; das schafft Fluchtursachen, und dann versuchen die Menschen nach Europa zu kommen. Wir versuchen, heimatnah zu helfen«, so Lessenthin.

Schonungslos und fast anstrengend war der Bericht des Gießener Arztes Florian Schulte. Er arbeitete für Mission Lifeline, die sich insbesondere für die Seenotrettung von Flüchtlingen aus dem Mittelmeer einsetzt. Die Organisation, deren Schiff seit Ende Juni in Malta festgesetzt wurde, hat auf hoher See Flüchtlingen geholfen, die unter anderem Libyen verlassen hatten. »Wir haben vier Boote gerettet«, sagte er, »die Menschen darin waren in einem schlimmen Zustand.« Die Flüchtlinge hätten unter Folter, Misshandlung und Sklaverei gelitten – »das waren für uns sehr emotionale Situationen. Das Problem ist: die EU und Italien fahren ihre Rettungsanstrengungen auf hoher See zurück.« Zudem erhielten die Suchflugzeuge der zivilen Hilfsorganisationen keine Starterlaubnis mehr. Überdies misshandelt die libysche Küstenwache aufgenommene Flüchtlinge bereits auf der Rückkehr nach Lybien. »Da ist es für uns vor Ort sehr wichtig zu wissen, dass Menschen zu Hause uns unterstützen«, bedankte er sich bewegt.

 

Damla Gersek überzeugt

 

Im Anschluss agierte die Band der Friedrich-Magnus-Gesamtschule (Leitung Christopher Heinzel) mit Pauline Kühn (Klavier), Damla Gersek (Gesang), Bela Praxl (Schlagzeug), Marian Schenk (Bass) und Lino Hofmann (Gitarre) mit achtbarer Geschlossenheit. Damla Gersek sang ausdrucksvoll, frei und erstaunlich entspannt. Vor allem zeigte sie mehrmals eine sehr beachtliche Power und überzeugte auch im Duo mit Kühn am Klavier; das stimmte.

Ein Vergnügen, das Ganze – vor allem, da der Abend einen klaren Aufbau besaß und niemals in Gefahr war, zeitlich auszuufern.

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