17. November 2019, 20:16 Uhr

»Erinnern und Verstehen«

17. November 2019, 20:16 Uhr
Der Posaunenchor Lich umrahmt die Feierstunde musikalisch. (Foto: con)

»Am Volkstrauertag gedenken wir den Opfern von Krieg und Gewaltherrschaft aller Völker und Nationen«: Das sagte Landrätin Anita Schneider am Sonntagnachmittag bei der zentralen Gedenkfeier des Kreisverbandes Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge und des Landkreises Gießen zum Volkstrauertag auf der Kriegsgräberstätte in Kloster Arnsburg. »Gerade in der heutigen Zeit, wo rechtsradikale Kräfte die dunklen Seiten der deutschen Geschichte nur all zu gerne relativieren wollen, ist es wichtig, sich zu erinnern und zu verstehen«, erklärte die Landrätin.

Die Zeitzeugen werden immer weniger und damit auch jene, die aus erster Hand wissen, wie wichtig Frieden ist. »Heute fordert dieser Tag uns auf, an den Errungenschaften eines geeinten Europas festzuhalten. Und damit auch an einem Kontinent des Friedens und für die dauerhafte Verpflichtung für Frieden, Freiheit, Demokratie und Menschlichkeiten«, sagte die Landrätin in ihrer Rede zum Volkstrauertag.

Niemals dürfe man vergessen, dass nicht nur Soldaten Opfer von Kriegshandlungen werden, sondern dass es die zivile Bevölkerung ist, die das größte Leid erfährt. Viele Millionen Menschen wurden Opfer von zwei Weltkriegen. Viele Menschen wurden und werden auch heute noch Opfer von Verfolgung, Vertreibung oder Terror. Und auch heute noch komme es vor, dass Menschen aufgrund einer Klassifizierung als vermeintlich minderwertiger »Rasse« ermordet werden oder Leid erfahren. Nicht nur den Opfern des Krieges, sondern der Opfer all jener Geschehnisse gelte das Gedenken des Volkstrauertages.

Schüler warnen

Doch wenn man sich bei vielen Gedenkfeiern umschaut, sieht man vor allem die ältere Generation, der diese Veranstaltungen wichtig sind. Interessieren sich die jüngeren Generationen vielleicht nicht mehr für solche Gedenktage? Dem widersprachen am Sonntag Schüler der neunten und zehnten Klassen der Dietrich-Bonhoeffer-Schule in Lich. Die Jugendlichen sagten deutlich: »Auch wenn wir den Krieg nie selbst erlebt haben, heißt das nicht, dass wir nichts aus der Vergangenheit lernen könnten. Hier auf dem Kriegsgräberfriedhof sieht man die Folgen von Krieg und Nationalsozialismus. So etwas sollte nie wieder geschehen«.

Die Predigt zur Gedenkfeier hielt Pfarrer Manfred Wenzel. Als Thema hatte er die Geschichte Hiobs aus dem Alten Testament ausgewählt: »Hiob drückt aus, was auch heute die Bedeutung des Menschenlebens in den Kriegen ist: Der Mensch ist nur Kanonenfutter auf den Schlachtfeldern der Welt«.

Musikalisch umrahmt wurde die Gedenkfeier vom Gesangverein Liederkranz aus Eberstadt und dem Posaunenchor Lich.

Als Zeichen ihres Gedenkens legten Vertreter des Volksbundes, des Landkreises, der Stadt Lich sowie der Bundeswehr Kränze nieder.

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