26. April 2021, 19:46 Uhr

Volkmarsen hofft ein Jahr danach auf Antworten

26. April 2021, 19:46 Uhr
Blick in die Straße , in der im Februar 2020 ein Auto während eines Rosenmontagsumzugs in eine Zuschauermenge gefahren war. FOTO: DPA

Volkmarsen/Kassel - Seit mehr als einem Jahr tragen viele Menschen in Volkmarsen eine Frage mit sich herum. Warum? Warum ist ein Mann im Februar 2020 mutmaßlich absichtlich mit seinem Auto in die fröhliche Menschenmenge beim Rosenmontagsumzug gefahren? Wie konnte es dazu kommen, dass jemand das Leben und die Gesundheit zahlreicher Menschen derart gefährdet?

Das Landgericht Kassel hat ab Montag, den 3. Mai, die Aufgabe, die Auto-Attacke mit Dutzenden Verletzten und das mögliche Motiv dafür aufzuklären. Mehr als 400 Personen hat die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt benannt, die als Zeugen infrage kommen und während des bis Mitte Dezember angesetzten Verfahrens befragt werden könnten. Ob die Richter auch Antworten des mutmaßlichen Täters bekommen, bleibt abzuwarten - bislang hat der 30-Jährige von seinem Schweigerecht Gebrauch gemacht.

Die Menschen in der nordhessischen Stadt sind froh, dass der Prozess nun startet. So berichtet es Christian Diste, der Vorsitzende der Volkmarser Karnevalsgesellschaft. Und sie wünschten sich durchaus, dass sich der Angeklagte äußert: »Dass er mal sagt, was in ihm vorging, dass er mal probiert, zu erklären, was da in ihm passiert ist.« Das sei ein Stück weit die Erwartungshaltung oder Hoffnung an den Prozess. »Aber ich frage mich auch selbst, ob uns das am Ende weiterbringt, ob uns das tatsächlich eine Erklärung liefert.«

Die Generalstaatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten 91-fachen versuchten Mord vor, Körperverletzung in 90 Fällen sowie gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr. Der Deutsche soll am 24. Februar 2020 ein Auto bewusst und ungebremst mit Tempo 50 bis 60 ins Gedränge gefahren haben. 90 Menschen, darunter viele Kinder, erlitten teils schwere Verletzungen. Es gibt viele weitere Opfer, Menschen, die seelische Wunden davongetragen haben. Die Ermittler gehen daher von insgesamt mehr als 150 Betroffenen aus. Ob der Prozess bei der Aufarbeitung hilft? Nach Einschätzung des hessischen Opferbeauftragten Helmut Fünfsinn bedeutet ein Prozess für die Opfer eine durchaus ambivalente Situation. »Grundsätzlich ist so ein Prozess wichtig, auch um die Dinge noch einmal zu verarbeiten und vor allem, um dann eine Person zur Verantwortung zu ziehen«, sagt er. Auf der anderen Seite müsse man bedenken, dass ein Verfahren noch einmal aufwühlt, »weil ja die Erinnerungen an die Situation, der man entkommen ist, zurückkommen«. Besonders schwer sei es für jene, die vor Gericht geladen sind und aussagen müssen. Aber ein Prozess biete auch »den positiven Aspekt, die Dinge hinter sich zu lassen und sich dann neu zu orientieren«. dpa

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