22. April 2021, 20:07 Uhr

Corona-Therapie bald auch beim Arzt

22. April 2021, 20:07 Uhr

- Die große Hoffnung im Kampf gegen Covid-19 liegt auf den Impfungen. Doch noch kommt es zu vielen schweren Verläufen der Krankheit. Um diese Entwicklung einzudämmen, setzen die Mediziner inzwischen auch auf neuartige Therapieformen: zum Beispiel auf Infusionen mit monoklonalen Antikörpern. Bislang dürfen die Mittel nur in Universitätsklinken verabreicht werden. Doch die Kassenärztliche Vereinigung Hessen drängt nun darauf, dass die monoklonalen Antikörper auch den niedergelassenen Ärzten zur Verfügung gestellt werden. Der Weg über die Universitätskliniken sei eine »Sackgasse«, schreibt KV-Vorstandschef Frank Dastych in einem Brief an die Mitglieder der KV Hessen.

Auch das Bundesgesundheitsministerium von Jens Spahn sieht die Notwendigkeit, Arztpraxen mit der Versorgung zu betrauen. Dazu erarbeitet das Ministerium gerade eine entsprechende Verordnung, bestätigt Ministeriumssprecherin Doris Berve-Schucht.

Bund erlässt Verordnung

»Mit einer Verordnung wird nun geregelt, dass künftig auch niedergelassene Ärzte die Therapie abrechnen können«, erklärt sie. Das sei bislang nicht möglich, da die Arzneimittel in der EU nicht zugelassen seien.

Deutschland hatte im Januar als erstes EU-Land dennoch 200 000 Dosen zum Preis von 400 Millionen Euro gekauft. »Die Gabe dieser Antikörper kann Risikopatienten in der Frühphase helfen, dass ein schwerer Verlauf verhindert wird«, hatte Gesundheitsminister Spahn Anfang des Jahres erklärt. Auch Ex-US-Präsident Donald Trump wurde während seiner Corona-Infektion mit diesen Arzneimitteln behandelt. In den USA gibt es dafür eine Notfallzulassung der Arzneimittelbehörde FDA.

Nach Einschätzung des Gesundheitsministeriums gibt es »Anlass zu der Annahme, dass einzelne Covid-19-infizierte Patienten mit dem Risiko eines schweren Krankheitsverlaufs in einem frühen Stadium der Erkrankung von einer Behandlung profitieren«, erklärt Berve-Schucht. Die Verordnung, die eine Verabreichung auch durch niedergelassene Ärzte ermöglichen soll, befinde sich »noch in der Abstimmung«.

Von positiven Erfahrungen mit den monoklonalen Antikörpern berichtet auch die Frankfurter Uni-Klinik. »In den vergangenen Wochen nimmt die Nutzung der Antikörper stetig zu«, betont Klinik-sprecher Christoph Lunkenheimer. Die Wirksamkeit sei zwar in Deutschland bisher nicht strukturiert erfasst worden, sodass man hier keine wissenschaftlich fundierte Aussage machen könne. »Nach unserem subjektiven klinischen Eindruck können durch eine frühe Gabe schwere Verläufe bei Risikopatienten verhindert werden, und die Patienten vertragen die Substanz bisher gut«, versichert Lunkenheimer. »Die Uni-Klinik empfiehlt daher die Antikörper bei Patienten mit Risikofaktoren für einen schweren Verlauf, die sich in den ersten Tagen nach der Diagnose befinden.« Christiane Warnecke

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