22. Oktober 2020, 14:00 Uhr

Fraunhofer-Neubau

»Tempel der Forschung« in Gießen eingeweiht

Die Stadt Gießen darf sich nun ganz offiziell als »Fraunhofer-Standort« rühmen. Das Institut für Bioressourcen ist am Mittwoch eröffnet worden. Die eigentlichen Stars dort sind winzig klein.
22. Oktober 2020, 14:00 Uhr
Die Insektenforschung am Gießener Fraunhofer-Institut ist weltweit führend. FOTO: SCHEPP

Selbst der Mundschutz konnte das strahlende Lächeln von Andreas Vilcinskas nicht verbergen. Endlich, nach über zehn Jahren Vorbereitung und Planung, konnte der Professor den »Tempel für die Forschung«, wie er den Neubau des Fraunhofer-Instituts für Bioressourcen bezeichnete, den Gästen vorstellen. Ministerpräsident Volker Bouffier, Kanzleramtschef Helge Braun, Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz, JLU-Präsident Joybrato Mukherjee und viele weitere hochrangige Vertreter aus Politik und Wissenschaft ließen es sich nicht nehmen, das Vorzeigeprojekt in Augenschein zu nehmen.

Die Grundlage für das Institut bildet das LOEWE-Zentrum für Insektenbiotechnologie und Bioressourcen, eine Kooperation des Fraunhofer-Instituts für Molekularbiologie und Angewandte Oekologie IME mit der Justus-Liebig-Universität und unter Beteiligung der Technischen Hochschule Mittelhessen. Vilcinskas leitet das Institut, in das in den vergangenen Jahren über 100 Millionen Euro geflossen sind. Der Neubau selbst kostete rund 33 Millionen Euro.

Das vierstöckige Gebäude mit 4000 Quadratmetern Nutzfläche, Gewächshäusern auf dem Dach sowie etlichen Büros und High-tech-Laboren ist die neue Heimat von rund 100 Wissenschaftlern. Sie forschen hier im Bereich der Insektenbiotechnologie. So werden aus den Krabbeltieren Wirkstoffe gewonnen, die etwa zur Heilung chronisch infizierter Wunden oder für die Konservierung von Lebensmitteln genutzt werden können.

Gießen weltweit führend

»Wir werden auch daran arbeiten, Viren zu bekämpften«, kündigte Vilcinskas an. Bereits jetzt sei Gießen der weltweit führende Standort in der Insektenbiotechnologie.

Andreas Meuer vom Fraunhofer-Vorstand bezeichnete das Gießener Institut als eine »Vorzeigegründung« und lobte die Leistung von Vilcinskas und seinem Team in den höchsten Tönen. »Hier wird an Problemen geforscht, die uns alle betreffen.« Als Beispiel nannte er das Potenzial der proteinreichen Insekten als Nahrungsquelle.

Auch Kanzleramtschef Helge Braun sprach von einer großen Dimension, die das neue Institut habe. »Gerade in diesen Zeiten zeigt sich, welche Bedeutung Forschung hat.« Braun erinnerte an die spanische Grippe, die vor gut 100 Jahren ausbrach. »Damals hatten die Menschen keine Ahnung, was das für ein Erreger ist.« Bei der Corona-Pandemie hingegen sei bereits drei Wochen nach der Identifikation das Genom des Virus entschlüsselt gewesen.

Während Braun die Bedeutung der Gießener Forschung für die Wissenschaft hervorhob, konzentrierte sich Volker Bouffier auf den gesellschaftlichen Aspekt. »Investition in Forschung ist eine Investition in Zukunftschancen«, sagte der Ministerpräsident und nannte als Beispiel die Schaffung von Arbeitsplätzen.

Über die dürfte sich auch Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz freuen. »Mit dem Fraunhofer-Institut entsteht ein Leuchtturm mit Strahlkraft und Schub für die Stadtentwicklung.« Die Arbeit des Instituts zeige, dass Fortschritt zum Wohle der Menschheit auch ohne Raubbau an der Natur möglich sei.

Und alles fing an mit einer Idee im Kopf von Professor Vilcinskas, wie JLU-Präsident Mukherjee erinnerte. Dass heute der imposante Neubau eröffnet werden könne, sei auch dem Land Hessen zu verdanken, betonte Mukherjee. »Damals wurde nicht mit dem Kopf geschüttelt. Und das in einer Zeit, in der andere Institute geschlossen wurden. Insekten galten als unattraktiv.«

Spätestens mit der Errungenschaften der Gießener Forscher ist das widerlegt. Was sagte Institutsleiter Vilcinskas noch gleich? »Insekten sind eine reichhaltige Schatztruhe der Natur und eine unerschöpfliche Quelle neuer Wirkstoffe zum Nutzen für uns Menschen.«

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