22. April 2020, 21:21 Uhr

Hessen im Dauer-Krisenmodus

22. April 2020, 21:21 Uhr

Wiesbaden - Lübcke. Hanau. Volkmarsen. Und jetzt Corona. Die Hessen kommen aus dem Krisenmodus nicht heraus. Das Land erlebt seit dem Mord an dem Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke im Juni 2019 eine beispiellose Serie bedrückender Ereignisse. Die Tat ist juristisch noch nicht abgeschlossen, der Hanauer Anschlag und die Auto-Attacke von Volkmarsen kaum ansatzweise bewältigt, da bricht die Coronavirus-Pandemie über Hessen herein und dominiert alles.

»Man kann sicher sagen, das ist einmalig, jedenfalls nach dem Krieg, was wir in Hessen da erlebt haben«, fasst Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) die vergangenen Monate seit Juni zusammen, in denen auch noch ein kleiner Junge am Frankfurter Hauptbahnhof vor einen ICE gestoßen und getötet und in Wächtersbach auf einen Eritreer geschossen wurde. Zigfach hat Bouffier ernste Worte finden müssen, besorgte, aufbauende, kämpferische oder mahnende. Mehr als einmal zeigte er sich tief bewegt von den Ereignissen, zuletzt Ende März nach dem Tod von Finanzminister Thomas Schäfer (CDU).

Land muss sich trotz Pandemie kümmern

»Es ist eine außergewöhnliche Serie von sehr, sehr schwerwiegenden und für die Menschen sehr bedrückenden Situationen«, so Bouffier. Und es gebe auch Bleibendes, worum sich das Land kümmern müsse, trotz der Pandemie: »Die Bewältigung der Corona-Krise ist ja eine Dauerherausforderung tagtäglich quer durch alle Lebensbereiche. Andererseits haben wir das, was in Hanau passiert ist, und die daraus zu ziehenden Konsequenzen nicht vergessen.«

Den Anfang der Serie erschütternder Vorfälle markiert die Ermordung Lübckes: Anfang Juni wird der Kasseler Regierungspräsident auf der Terrasse seines Wohnhauses erschossen. Als mutmaßlicher Mörder wurde kurze Zeit später Stephan E. festgenommen. Die Ermittler gehen von einem rechtsextremistischen Motiv aus.

Am Abend des 19. Februar erschießt in Hanau ein 43-jähriger Deutscher neun Menschen mit ausländischen Wurzeln. Er soll auch seine Mutter umgebracht haben, bevor er sich selbst tötete. Die Ermittler gehen von einer Tat aus rassistischen Motiven aus. Kaum eine Woche später fährt in Volksmarsen während des Karnevalsumzugs am Rosenmontag ein Auto in die Menschenmenge. Der 29 Jahre alte Fahrer soll das mit Absicht getan und so Dutzende verletzt haben, darunter viele Kinder.

Unterschiedliche Reaktionen

Dass diese Vorfälle wegen der Pandemie aus dem öffentlichen Fokus geraten sind, hat nach Einschätzung des Opferbeauftragten des Landes, Helmut Fünfsinn, unterschiedliche Folgen für die Betroffenen in Hanau oder Volkmarsen. Diese seien teilweise »gar nicht böse darüber, dass die Aufmerksamkeit jetzt woanders ist, weil sie sich dann auf sich selbst konzentrieren können«. Doch jeder reagiere anders: »Es gibt daher auf der anderen Seite auch Personen, die sagen: Mir fehlt die Aufmerksamkeit. Jeder kümmert sich nur noch um Corona.«

Für Bouffier ist klar: Die Menschen müssten sich gerade in einer außergewöhnlichen Situation darauf verlassen können, dass der Staat funktioniert. »Deshalb, wenn wir auf der einen Seite fassungslos sind, traurig, bedrückt, muss man auf der anderen Seite wissen: Man kann sich dem Elend nicht ergeben, sondern muss dafür sorgen, dass die Lage bewältigt wird und die richtigen Schlüsse gezogen werden.« dpa

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