22. Oktober 2019, 22:32 Uhr

Heiße Luft fürs Lahnquartier

22. Oktober 2019, 22:32 Uhr

Das Klimathema sorgt seit geraumer Zeit in Politik und Gesellschaft für kontroverse Diskussionen. Dabei immer wieder im Fokus: die CO2-Emissionen von Autos und von Heizungen. Und die, die bei industrieller Produktion erzeugt werden. Letztere sinnvoll zu nutzen, ist Ziel eines Projekts in Wetzlar, wobei das gerade entstehende Wohnquartier Modus 3.0 auf dem ehemaligen KaWe-Kaufhausgelände im Mittelpunkt steht.

In der Bahnhofstraße errichte die Firma Helm als Investor gerade einen Gebäudekomplex, der 76 Wohnungen und mehrere Gewerbeeinheiten beherbergen soll. Darüber hinaus entstehen weitere 220 Wohnungen im benachbarten Lahnhof. Ihre Energieversorgung soll durch Fernwärme gesichert werden. Mit im Boot ist die Firma Duktus, Hersteller von Rohrsystemen aus Gusseisen. Das Unternehmen produziert in seinen Metallschmelzöfen und Glühofen energieintensiv - und erzeugt dabei auch eine nicht unerhebliche Menge an Abwärme auf Erdgasbasis. Diese wird teilweise intern genutzt, dient aber andererseits auch mithilfe des selbst betriebenen, vier Kilometer langen Fernwärmenetzes für die klimafreundliche Heizenergieversorgung kleiner Teile Wetzlars.

Rund 25 Kunden kommen in diesen Genuss, darunter Bosch, Buderus und etliche Geschäfte im Bereich des Karl-Kellner-Rings. Abnehmer sind aber auch das Kreishaus und das Freibad, erläuterte Prokurist Sebastian Pohl von der VR Production Duktus GmbH bei einem Ortstermin in der Bahnhofstraße. Die Anfänge dieses Netzes liegen in den 1950er Jahren. Auf rund 350 000 Euro bezifferte Geschäftsführer Friedrich Greiser die Investitionen des Unternehmens, um jetzt auch das Lahnquartier an die Fernwärme anzuschließen.

Regionale Wertschöpfung

Die Vorteile für den Endverbraucher liegen laut Pohl auf der Hand: unter anderem keine oder nur geringe Wartungskosten, geringer Platzbedarf für den Wärmetauscher, keine Auflagen an die Abgasreinigung, die von einem Schornsteinfeger kostenpflichtig kontrolliert werden muss.

Nicht zu vergessen sei die regionale Wertschöpfung, da die Energie im Gegensatz zu Erdgas oder Heizöl bei einem lokalen Betreiber beschafft werde. Die Verfügbarkeit sei ganzjährig gegeben, kurzzeitige Produktionsstillstände könnten mithilfe von Backup-Kesseln aufgefangen werden. Außerdem unterstütze diese Art der Versorgung die Ziele der Energiewende mit einem beachtlichen Potenzial in der Stadt, meinte Pohl. Dies komme auch der Unternehmensphilosophie von Helm entgegen, erklärte der Investor. Kernpunkt dieser Philosophie sei das ganzheitliche ökologische Bauen mit den selbst entwickelten Blähtonwänden. Grundlage dieses Materials ist reiner Ton, der mit Wasser vermischt durch einen Brennofen gespritzt wird und dabei granuliert. Er wird dann mit Zementleim gebunden und weiterverarbeitet. Der Vorteil laut Helm: Die Blähtonwand kann ankommende Wärme etwa zwölf Stunden speichern, um sie dann in den Innenraum abzugeben.

Als adäquate Heizung kristallisiere sich für Helm Fernwärme als Energiquelle heraus. Seit zehn Jahren sei dies in allen neuen Gebäuden des Unternehmens der Fall. In Berlin und Gießen beispielsweise beziehe man die Fernwärme direkt von Anbietern. In Wetzlar wurde sie bisher mit Blockheizkraftwerken erzeugt. Für das Lahnquartier tritt nun Duktus als Partner auf.

Dabei will man beim Anbieter aber nicht stehenbleiben. Eine Machbarkeitsstudie unter anderem mit der Stadt Wetzlar, dem Lahn-Dill-Kreis und dem örtlichen Energiedienstleister enwag soll bis Anfang nächsten Jahres weiteres Potenzial für eine Fernwärmeversorgung in der Wetzlarer Innenstadt herausfiltern.

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