07. Mai 2020, 21:42 Uhr

700 000 nutzen Corona-App

07. Mai 2020, 21:42 Uhr

Marburg/Fulda - Das Risiko für eine Corona-Erkrankung online checken oder die Zahl der Kunden am Ladeneingang beschränken: Wissenschaftler und Programmierer aus Hessen arbeiten an verschiedenen Anwendungen, um mit der Corona-Pandemie im Alltag besser umgehen zu können.

Forscher des Universitätsklinikums Gießen und Marburg wollen mit Fragen die Wahrscheinlichkeit einer Corona-Erkrankung ermitteln und das Risiko eines schweren Krankheitsverlaufs bewerten. Dazu müssen Nutzer auf einer Internet-Plattform (https://covid-online.de) eine Reihe von Fragen zu bestimmten Krankheitszeichen beantworten.

Rund vier Wochen nach dem Start der App hätten knapp 700 000 Menschen deutschlandweit den Fragebogen ausgefüllt, sagte Bernhard Schieffer vom Universitätsklinikum. Vor allem Menschen von 20 bis 55 Jahren beantworteten die Fragen zur Einschätzung einer möglichen Corona-Infektion. »Die App wird von Menschen benutzt, die Sorge haben, sie könnten etwas haben.« Lediglich die Angabe der Postleitzahl sei wichtig. »Wir können frühzeitig sogenannte Hotspots identifizieren«, erklärte Schieffer. Wenn viele Menschen einer Region im Fragebogen Symptome für eine Corona-Erkrankung angäben, könnte frühzeitig reagiert werden.

Kunden und Besucher zählen

Eine andere Art von Corona-App befindet sich aktuell in Osthessen im Alltagstest. Es handelt sich dabei um eine private und kommerzielle Initiative, die App heißt »MyBodyPass«. Dahinter stehen zwei Mediziner und ein Ingenieur aus der Region Fulda. Geschäfte, Praxen, Kitas und andere Einrichtungen können damit Kunden und Besucher zählen, um die Zahl der Zutritte zu regulieren. Außerdem würden die Besucher verständigt, wenn sie mit infizierten Personen zusammen waren, erklärten die Initiatoren Bernd Hölper und Daniel Auerbach. Im Landkreis Fulda und dem Main-Kinzig-Kreis seien mehrere Läden, Praxen und eine Kita beteiligt.

Herzstück der neuen Software sind QR-Codes, Symbole zum Scannen, die aufgehängt, und Tablets, die zum Beispiel in Geschäften aufgestellt werden. »Wer als Kunde das Geschäft betritt, meldet sich darüber an und beim Verlassen wieder ab«, erklären die Initiatoren. So könne jeder Ladenbesitzer feststellen, ob noch Kunden das Geschäft betreten können oder ob gewartet werden muss. Wenn sich später herausstellt, dass zeitgleich jemand im Laden war, der positiv auf Covid-19 getestet wurde, würden alle Kunden per Nachricht auf das Handy gewarnt.

Auch mit einer einfachen Plastikkarte könnten Kunden sich beim Betreten des Gebäudes an aufgestellten Tablets anmelden. Die Daten würden 14 Tage auf einem in Deutschland laufenden Server anonym aufbewahrt und dann gelöscht. Wer nicht bei dem Projekt mitmachen wolle, könne die Karte nach dem Einkauf wieder zurückgeben.

Bisher ist das System noch auf freiwillige Meldungen von Corona-Erkrankungen angewiesen. Eine Anbindung an Behörden sei geplant.

Gedanken über das Für und Wider von Corona-Apps macht sich der Forschungsverbund »Forum Privatheit«. Man sehe eine App »als eine gute Möglichkeit, um gleichzeitig Gesundheitsschutz und Lockerung der Freiheitsbeschränkungen zu erreichen«, sagt der Kasseler Rechtswissenschaftler Alexander Roßnagel, der Sprecher des Verbunds Ende April. »Zugleich muss diese App aber auch datenschutzgerecht funktionieren.« dpa

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